27.02.2014 (as)
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Recommind rechnet mit mehr E-Discovery-Einsatzfällen

Visualisierte Kommunikationsanalyse von Recommind (Bild: Recommind)
Visualisierte Kommunikationsanalyse von Recommind (Bild: Recommind)

Kommt es in den USA zu einem Rechtsstreit zwischen Unternehmen können diese beim jeweiligen Gegner alle elektronischen Unterlagen einfordern, die für den Fall relevant sind - teilweise Millionen Dokumente, die dann analysiert werden müssen. Auf diesen Vorgang, der sogenannten E-Discovery, hat sich Recommind spezialisiert, dessen größte Niederlassung mit rund 150 Mitarbeitern in Rheinbach bei Bonn ist. »E-Discovery kennt man in Deutschland nur bedingt, jedoch sind auch deutsche Unternehmen betroffen, die in den USA aktiv sind«, erklärt Hartwig Laute, Geschäftsführer von Recommind.

Allerdings kann die Recommind-Software »Axcelerate« nicht nur für E-Discovery eingesetzt werden, sondern immer, wenn es darum geht, große Datenmengen zu sichten und auszuwerten. »Typische Anwendungsszenarien sind in Deutschland beispielsweise Kartellverfahren, die Preisabsprachen zwischen Firmen aufdecken sollen«, erklärt Dr. Michael Holzhäuser, Partner und Rechtsanwalt von DLA Piper, die weltweit zu den größten Wirtschaftskanzleien zählt. Seit Herbst 2012 hat DLA Piper Recomminds Review-Lösung Axcelerate als Software-as-a-Service bei der Datensichtung im Einsatz.

»Mit Axcelerate können wir den Aufwand, der für die Sichtung der Daten ohne spezielle Software nötig wäre, um 50 bis 60 Prozent reduzieren«, berichtet Holzhäuser. Um sozusagen »Waffengleichheit« herzustellen sei entsprechende Software nicht nur auf Anwalts-, sondern auch auf Amts- und Unternehmensseite im Einsatz. Immer häufiger dient Axcelerate auch dazu, Compliance-Audits durchzuführen, beziehungsweise Compliance-Richtlinien umzusetzen. »Seit Jahren sprechen viele Unternehmensverantwortliche bereits von Compliance, doch nun merken wir, dass die Pläne und Richtlinien tatsächlich realisiert werden und es vermehrt zu proaktiven internen Untersuchungen kommt«, so Laute, der darin ein großes Umsatzpotenzial für Recommind sieht. Heute machen E-Discovery-Lösungen 75 Prozent des Umsatzes von Recommind aus. Der Versicherungskonzern Swiss Re ist aber beispielsweise ein Kunde, der Axcelerate auch für Information-Governance-Anwendungen einsetzt.

»Axcelerate 5« enthält 300 neue Features

Mit »Axcelerate 5« stellt Recommind nach über zwei Jahren Entwicklungsarbeit nun eine neue Fassung der Software vor. Die zugrundeliegende Suchtechnologie analysiert Worthäufigkeiten und stellt Zusammenhänge her, welche Wörter mit welchen anderen Wörtern in Textdokumenten wie oft gemeinsam vorkommen. So können auch relevante Dokumente gefunden werden, die die eigentlichen Suchbegriffe gar nicht enthalten. Ausgehend von Ergebnissen einer Stichprobe schlägt Axcelerate weitere Dokumente aus dem Gesamtbestand vor, die kontextuell zu den bereits ermittelten Treffern passen, verfeinert die Suchergebnisse im Rahmen weniger Durchläufe und liefert schnell sämtliche relevante Daten.

In der neuen Version hat Recommind die Nutzeroberfläche auf HTML5-Basis gestaltet. Zu den nach Angaben des Herstellers 300 neuen Eigenschaften zählt auch eine intelligente Redaction-Funktion, die Dokumente, bestimmte Seiten oder Suchbegriffe im nearnative Dateiformat »on-the-fly« schwärzt. Das weiterentwickelte E-Mail-Analysetool dedupliziert automatisch und fasst Threads zusammen, so dass sich die Menge der zu sichtenden Mails für den Anwender deutlich verringert. Das Visualisierungstool Hypergraph deckt versteckte Zusammenhänge und Gesprächsmuster von Mitarbeitern und Außenstehenden auf.

Das Analystenhaus Gartner wertet Recommind als einen der »Leader« in seinem E-Discovery Magic Quadrant. Ebenfalls als Leader betrachtet Gartner Firmen wie Kroll Ontrack, Symantec und HP Autonomy.