05.02.2019 (as)
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Interview zu Web-CMS-Trends mit Mark Grannan, Forrester

Die viel propagierte »Digital Experience« können Web Content Management Systeme nicht alleine meistern. Was noch dazu gehört, welche Bedeutung »Headless CMS« hat und wie Cloud und KI den Bereich beeinflussen, erläutert Mark Grannan, Senior Analyst beim Marktforschungsunternehmen Forrester, unter anderem im Interview mit ECMguide.de.

Notebooks, Tablet-PCs, Smartphones und Smartwatches sowie Wearables. WCM- beziehungsweise CMS-Systeme müssen Inhalte auf zunehmend mehr und höchst unterschiedlichsten Displays und digitalen Kanälen bereitstellen. Wie meistern die Systeme diese Aufgabe?

Mark Grannan ist Senior Analyst und WCMS-Experte bei Forrester (Bild: Forrester)Mark Grannan ist Senior Analyst und WCMS-Experte bei Forrester (Bild: Forrester)Grannan: In einem Wort: Headless. Anders gesagt: API-basiertes Content Management liefert Inhalte per API in einem agnostischen Format wie JSON. Die Anwendung, die den Inhalt benötigt, kann ihn in die App - beziehungsweise den Bildschirm – rendern.

Es wird auch erwartet, dass WCM-Systeme personalisierte Inhalte individuell zur Verfügung stellen. Wie gut sind WCM-Systeme hierfür gerüstet?

Grannan: WebCMS-Lösungen werden bei der Personalisierung immer besser, aber sie werden mit dieser Aufgabe nicht alleine fertig. Typischerweise sind Web Content Management Systeme Teil einer breiteren Digital Experience Lösung, die Kundendaten, die Logik eines Kampagnenmanagements und vieles mehr berücksichtigen kann. Das Ergebnis ist eine dynamisch zusammengestellte Erfahrung, die aufgrund vieler verschiedener Datenquellen personalisiert ist.

Künstliche Intelligenz (KI) zählt zu den großen IT-Trends. Inwiefern beeinflusst dies auch den WCM-Bereich?

Grannan: KI-Technologien können eine wachsende Rolle im Web CMS spielen und spielen diese auch, obgleich viele Fälle noch relativ unausgereift sind. Zwei Beispiele sind das automatische Erkennen von Inhalten – auto-tagging content oder das Übersetzen von Inhalten. Beides sind Services, die ein Web CMS wirksam einsetzen kann, um Content Workflows in einer Geschwindigkeit und in einem Ausmaß zu unterstützen, was mit rein menschlicher Hilfe nicht möglich wäre. Beispielsweise können maschinell lernende Algorithmen ein Bild »verstehen« und semantische Medatdaten hinzufügen, so dass der Inhalt bei einer Suche leichter gefunden oder für eine personalisierte Kampagne benutzt werden kann.

Wie sieht es mit der Verfügbarkeit von WCM-Systemen aus der Cloud aus?

Grannan: Fast alle Web CMS Lösungen für Unternehmen sind in irgendeiner Form als cloudbasierte Lösungen verfügbar, jedoch stellen die meisten noch eine PaaS- und keine SaaS-Lösung dar. Viele Organisationen bevorzugen dies heute, da es zu ihrer Entwicklung und ihren Sicherheitsanforderungen passt. Aber es gibt auch ein paar vollentwickelte multimandantenfähige SaaS-Lösungen, die auf den Markt gekommen sind.

Mit welchen Vor- und Nachteilen müssen Anwender bei WCM-Systemen als SaaS-Lösungen rechnen?

Grannan: Kunden können von cloudbasierten Bereitstellungsmodellen typischerweise bessere Verfügbarkeit, Sicherheit und Skalierbarkeit erwarten als bei Systemen, die von den eigenen Mitarbeitern betrieben werden. Mit vollwertigen SaaS-Lösungen vermeiden Kunden außerdem den Aufwand für Upgrades und neue Versionen.

Wie intergagieren WCM- und Drittsystemen in der Cloud?

Grannan: Über Web services – gemeinhin RESTful APIs – sie sind der primäre Weg, wie hybride CMS-Lösungen heutzutage kommunizieren.

Können Sie Beispiele von digitalen Auftritten nennen, die Sie als besonders fortschrittlich und exemplarisch ansehen?

Grannan: Diese Frage ist schwer zu beantworten, da es Dutzende von Antwortmöglichkeiten gibt. Zudem korrelieren die Typen »fortschrittliche und exemplarische« Webseiten nicht zwingend mit dem Web CMS. Dies ist ein weit verbreiteter Irrtum, mit dem Unternehmen aufräumen müssen.