Published On: 8. Mai 2026Von

ABBYY stellt sich Veränderungen durch KI

Ein neuer KI-Dokumentenstandard und ein eignes Language Model sind Highlights der »ABBYY Ascend«. Auf der Partner- und Kundenkonferenz in Brüssel zeigte ein durch KI verändertes Unternehmen Abbyy seine Produkt- und Unternehmensstrategie auf.

Ulf Persson, CEO, ABBYY

05-07-26-Abbyy-Persson

Ulf Persson, CEO, ABBYY, bei seiner Keynote am 6. Mai auf der ABBYY Ascend in Brüssel (Bild: A.Stadler)

Transformation betrifft Markt und Abbyy selbst

Aus OCR wird Document AI, aus Datenerfassung autonome Prozesssteuerung: Der Einfluss von KI auf den Markt für Capturing- und Input-Technik verändert derzeit auch ABBYY grundlegend.

Deutlich wurde dies auf der europäischen Partner- und Kundenkonferenz »ABBYY Ascend« diese Woche in Brüssel. Als Spezialist für Datenextraktion beschäftigte sich Abbyy schon seit vielen Jahren mit Themen rund um Künstliche Intelligenz. Mit dem Aufkommen von generativer Künstlicher Intelligenz und Large Language Modellen (LLM) hat sich das Softwareunternehmen verstärkt auf deren Integration in dokumentenbasierte Prozesse fokussiert.

Führende IDP-Marktposition

Diese Bemühungen fruchten: Laut Analysten wie Gartner, IDC und Everest Group zählt Abbyy im Bereich Intelligent Document Processing (IDP) zu den marktführenden Unternehmen. Auf diesem Kurs will man bleiben, aber ohne sich an Kategorien und Begriffe zu klammern. »Wir wissen nicht, ob die Technologie, über die wir morgen sprechen werden, noch IDP heißen wird. Auch gibt es kein »entweder oder« bei IDP und LLM in Bezug auf die bessere Input-Lösung. Jedoch kann ich mit Sicherheit sagen, dass wir alle KI-Möglichkeiten ausschöpfen werden, um dokumentenbasierte Prozesse zu automatisieren«, erläutert  Ulf Persson, CEO von Abbyy, in Brüssel.

Dass Persson das mit aller Konsequenz durchsetzen wird, ist ihm durchaus zuzutrauen. Denn er hat auch im eigenen Unternehmen für eine enorme Transformation gesorgt. So wurde bei Abbyy in knapp drei Jahren die Zahl der Beschäftigten von rund 1.300 auf aktuell etwa 600 mehr als halbiert. Aufgrund von KI-basierten Prozessen habe dies laut dem CEO die Performance und Innovationskraft nicht beeinträchtigt. 2025 investierte Abbyy 25 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. 2026 soll es noch mehr sein. Die Entwicklungen erfolgen an den drei Standorten Austin, Budapest und Bengaluru.

Eigenes Visual Language Model

Ergebnis hiervon ist beispielsweise das eigene Visual Language Model beziehungsweise DocVLM, das Teil des »Phoenix«-Portfolios ist. Generell verfolgt Abbyy einen hybriden KI-Ansatz, der unterschiedliche LLMs und KI-Ansätze berücksichtigt. Damit will das Unternehmen auch den Kunden die Freiheit geben, die von ihnen bevorzugten Modelle zu wählen. Nichtsdestotrotz sah man bei Abbyy die Notwendigkeit, ein eigenes Modell zu entwickeln. Es soll auf die Bedürfnisse in der KI-gestützten Dokumentenbearbeitung zugeschnitten sein und den Weg zu agentischer KI ebnen. Dass es klar in Richtung agentischer KI gehen wird, ist sich Persson sicher: »Jeder starke Hersteller muss in Zukunft agentische KI anbieten.«

Bei agentischer KI handelt es sich um eine Technik, die vollautomatisierte Prozesse aufgrund von KI-Ergebnissen und- Entscheidungen ermöglicht. Dabei kommt es darauf an, eindeutige, genaue und verlässliche Ergebnisse zu haben. Darauf sind die üblichen generativen Sprachmodelle nicht ausgelegt. Laut der Roadmap will Abbyy sein DocVLM in diesem Quartal in die IDP Plattform »Vantage« integrieren, dass das Produkt mit der höchsten Wachstumsrate ist. Aktuell testet Abbyy das Modell mit einigen Pilotkunden.

IBM und Abbyy: Gemeinsamer KI-Dokumentenstandard

Ebenfalls als Neuheit präsentierte Abbyy in Brüssel den KI-optimierten Dokumentenstandard »Doc.Lang«. Ihn entwickelte Abbyy gemeinsam mit IBM, Red Hat und der Linux Foundation. Dokumente, die auf diesem offenen Standard basieren, sollen KI-Systemen alle von ihnen benötigten Informationen zur Verfügung stellen. Damit der Standard sich in der Masse durchsetzt, ist es notwendig, weitere Softwarehersteller und KI-Plattformanbieter hierfür zu gewinnen. Da es noch keinen vergleichbaren Standard gibt, rechnen IBM und Abbyy mit einer raschen Verbreitung.

Auf der Konferenz in Brüssel hat Abbyy seinen Partnern und Kunden versichert, dass es den eingeschlagenen Weg, gemeinsam mit ihnen fortsetzen will. Das bestehende Produktportfolio soll mit innovativen KI-Funktionen ausgebaut werden. Damit und der internationalen Präsenz sei Abbyy in der Lage, sowohl globale als auch kleine Unternehmen unterschiedlichster Branchen mit ihren jeweils spezifischen Anforderungen zu bedienen.

Weitere Artikel

About the Author: Annette Stadler

Annette Stadler ist IT-Journalistin und leitet das Online-Portal ECMGUIDE.
Nach oben