Interview mit Johannes Boerboom, Datawin, zur Inotec Akquisition

Der Markt für Produktionsscanner ist nicht gerade riesig. Daher zunächst die einfache Frage: Aus welchen Gründen hat Datawin Inotec akquiriert?

Johannes Boerboom, neuer CEO von Inotec (Bild: Datawin)

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Johannes Boerboom, neuer CEO von Inotec (Bild: Datawin)

Boerboom: Zu allererst, weil wir von InoTec überzeugt sind. Und von den Menschen, die bei Inotec arbeiten. Hier wurde über Jahrzehnte eine starke Marke aufgebaut, die für High-End-Serien-Produkte und hohe Entwicklungskompetenz steht. Hinzu kommt, dass sich DATAWIN und Inotec perfekt ergänzen: zwei führende Hersteller hochwertiger Scanner »Made in Germany« – beide mittelständisch geprägt, beide international ausgerichtet und in komplementären Segmenten desselben Nischenmarkts tätig. Hier sehen wir ein immenses Potenzial für Synergien und gegenseitige Unterstützung.

Mit welchen konkreten Synergien und Vorteilen rechnen Sie durch die Akquisition von Inotec?

Boerboom: Sowohl Datawin als auch Inotec verfügen über hochqualifizierte Entwicklungs- und Konstruktions-Teams. Und beide Unternehmen behaupten sich seit über 30 Jahren auf dem Markt. Wo soviel Expertise und Erfahrung zusammenkommen, entstehen zwangsläufig qualifiziertere Lösungen in kürzerer Zeit. Für unsere Kunden ist das sehr attraktiv. Vor allem Datawin arbeitet ja stark projektorientiert: Wir entwickeln, konstruieren und fertigen nach kundenspezifischen Anforderungen. Geschwindigkeit und Innovationskraft sind da wichtige Faktoren. Inotec wird vor allem stark von der Datawin-eigenen Teilefertigung profitieren: Fertigungsengpässe können künftig aufgefangen werden. Gleichzeitig erhöhen wir die Fertigungstiefe und Entwicklungsgeschwindigkeit der Inotec-Scanner. Und auch den Vertriebs-Teams eröffnen sich durch die Akquisition neue Möglichkeiten: Sie können unseren Kunden – zusätzlich zu den Standard-Scannern – künftig auch OEM-Sonderentwicklungen und Produkte für die Imaging-Branche anbieten.

Allerdings bedienen Inotec und Datawin mit ihren eher hochpreisigen Produktionsscannern wie schon gesagt das gleiche nicht gerade riesige Marktsegment. Wie wollen Sie die Unternehmen positionieren, um Überschneidungen zu vermeiden?

Boerboom: Inotec und Datawin bedienen nur bei oberflächlicher Betrachtung dasselbe Marktsegment. Tatsächlich liegt der Fokus von Datawin klar auf Projektentwicklungen und -realisierungen. Inotec dagegen setzt auf eine schlanke Serien-Produktpalette in Verbindung mit einem starken Vertrieb. Die jeweils abgedeckten Marktsegmente überschneiden sich also nicht, sondern ergänzen sich.

Wie wollen Sie InoTec in Ihren Firmenverbund integrieren, der neben der namensgebenden DATAWIN GmbH auch die BAP Image Systems GmbH, die BAP Image Systems LLC, die M&N Solutions GmbH und die Schweizer AXIOME Alpha SA umfasst?

Boerboom: So, wie wir bislang alle Akquisitionen integriert haben: als 100prozentige Töchter der DATAWIN GmbH – und als eigenständige Unternehmen, die sich autark auf dem Markt behaupten. Natürlich ist Inotec die Unterstützung seiner neuen Mutter und der anderen Datawin-Töchter jederzeit gewiss. Ansonsten ändert sich aber nichts. Wir belassen die InoTec GmbH Organisationssysteme wie sie ist.

Wird der InoTec-Firmensitz in Wölfersheim mit all seinen Abteilungen wie Entwicklung, Produktion und Administration langfristig bestehen bleiben?

Boerboom: Ja. Wir bekennen uns klar zum Standort Wölfersheim. Alle Unternehmensbereiche und sämtliche Arbeitsplätze bleiben erhalten.

In welcher Ausprägung werden Sie persönlich am Firmensitz in Wölfersheim präsent sein?

Boerboom: Wir haben uns bei Datawin mit Hinblick auf die Inotec-Akquisition im organisatorischen und administrativen Bereich bereits verstärkt. Das verschafft mir den nötigen Freiraum für meine Managementaufgaben bei Inotec. Ich werde also wöchentlich vor Ort sein.

Mit dem Geschäftsführer Peter Schnautz, den Sie in erster Linie ersetzen, haben auch der Technische Leiter Jürgen Kaus und Produktionsleiter Friedhelm Schmidt Inotec nach der Übernahme durch Datawin verlassen. Weshalb geschah dies ohne Übergangsfrist?

Boerboom: Eine solche Übergangsfrist gab es. Und zwar schon lange, bevor wir uns mit dem Gedanken getragen haben, Inotec zu akquirieren. Die Herren Schnautz, Kaus und Schmidt – also die ehemaligen Gesellschafter – haben ihre Nachfolge langfristig geplant. Hier wurden intern frühzeitig tragfähige Strukturen etabliert und gezielt mit Mitarbeitern besetzt, die in der Lage sind, die entstehenden Lücken zu füllen und Führungsaufgaben zu übernehmen. Für uns ist das ein großer Vorteil: Wir übernehmen ein funktionierendes Unternehmen und einen Mitarbeiterstab, von dem wir überzeugt sind. Dafür sind wir den Herren Schnautz, Kaus und Schmidt auch sehr dankbar.

Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung verringern sich künftig allgemein wohl papierbasierte Informationen im Unternehmensumfeld und der Bedarf für Produktionsscanner wird vermutlich eher sinken. Wie bewerten Sie als Anbieter dieser Produktionsscanner Ihre Chancen in Zukunft?

Boerboom: Sehr gut. Die zunehmende Digitalisierung ist keine Bedrohung für unser Business, sondern der zentrale Treiber. Schließlich gilt es, Unmengen von Dokumenten zu digitalisieren – also zu scannen. Und genau das ist ja unser Geschäft, das wir durch die Angliederung von Inotec zusätzlich stärken. Wir sind also mehr als optimistisch, dass unsere Scanner auch und gerade in Zeiten der Digitalisierung weiterhin stark nachgefragt werden.

Welche langfristige Perspektive haben Sie für die beiden Marken Inotec und Datawin im Bereich der Hochleistungsscanner?

Boerboom: Wir wollen uns langfristig auf dem Markt behaupten und unsere jeweiligen Marktanteile ausbauen. Dazu setzen wir auf »Made in Germany«, Kundennähe, die fruchtbare Zusammenarbeit unserer hochqualifizierten Entwicklungs-Teams, unser einzigartiges Know-how im Imaging-Bereich, und unsere nahezu 100prozentige Fertigungstiefe. Dieser Mix verleiht uns eine Flexibilität und Innovationsfähigkeit, die uns für jeden Wettbewerb rüsten sollte.

Wie bewerten Sie das Marktumfeld mit den hier vertretenen Wettbewerbern, in dem sich Datawin und Inotec bewegen?

Boerboom: Wir fühlen uns wohl in diesem Marktumfeld. Gerade dort kommen die Vorteile eines mittelständischen Unternehmens zum Tragen: Dazu gehören die Flexibilität, auf Kundenbedürfnisse schnell zu reagieren ebenso wie die Möglichkeit, »Made in Germany« zu produzieren. Aber auch langjährige Kontinuität durch finanzielle Eigenständigkeit oder echte Kundennähe werden in mittelständischen Unternehmen aktiv gelebt. Das verschafft dem Kunden eine hohe Investitionssicherheit – und dem Mittelstand ein gewichtiges Verkaufsargument. Datawin und Inotec sind dafür gute Beispiele: Beide Unternehmen bieten ihren Kunden Updates und Upgrades seit teilweise 30 Jahren – bei gleichbleibender Gesellschafterstruktur.

About the Author: Annette Stadler

Annette Stadler ist IT-Journalistin und leitet das Online-Portal ECMGUIDE.