IDC-Marktbetrachtung zum IDP-Sektor
Eine neue IDC-Studie zeigt, welche Trends Intelligent Document Processing prägen. Während generative KI bereits in IDP-Lösungen angekommen ist, steht mit agentenbasierter KI der nächste Innovationsschub bevor.
IDP profitiert von KI-Entwicklung
Inhalt dieses Artikels
Künstliche Intelligenz und das Zusammenwachsen verschiedener Erfassungstechniken verleihen Intelligent Document Processing (IDP) eine hohe Dynamik. Unter dem Titel »Worldwide Intelligent Document Processing Software 2025–2026 Vendor Assessment« hat das Marktforschungsunternehmen IDC den sich rasant entwickelnden IDP-Sektor analysiert.
Im Kern konzentriert sich IDP auf die Klassifizierung, Extraktion, Analyse und Validierung von Dokumenten und darauf aufbauenden Workflows. In der Vergangenheit gab es eine klarere Unterscheidung zwischen Anbietern, die sich auf unstrukturierte Inhalte konzentrierten, und solchen, die sich auf strukturierte Inhalte konzentrierten. Heute decken die meisten IDP-Anbieter jedoch die Extraktion aus strukturierten, semistrukturierten und unstrukturierten Dokumenten mit einer einzigen Lösung oder Plattform ab.
Anbieter kombinieren IDP zum Teil mit verwandten Technologien wie intelligenter Prozessautomatisierung (IPA), Robotic Process Automation (RPA), Process Mining und Retrieval Augmented Generation (RAG). Ziel ist eine umfassendere Workflow-Effizienz und eine Automatisierungssuite zu bieten, die durchgängig über Workflows hinweg funktioniert. Technologische Treiber sind in erster Linie fortschrittliche KI-Funktionen, vor allem GenAI und agentenbasierte KI. Damit nähern sich die Anwender dem ultimativen Ziel automatisierter Abläufe.
Agentische KI ist neuer Entwicklungsschritt
Mit Blick auf KI-Agenten haben die im IDC-Bericht vorgestellten Anbieter damit begonnen, agentenbasierte Lösungen zu erforschen oder auf den Markt zu bringen, die die Koordination von IDP-Workflows und größeren Content-Workflows systemübergreifend unterstützen sollen. Trotz der jüngsten Betonung der agentenbasierten Funktionen durch die Anbieter hinkt die Akzeptanz dieser Lösungen durch die Kunden noch hinterher, da Fragen rund um Vertrauen, Transparenz und klar definierten ROI weiterhin im Vordergrund stehen.
Insgesamt ermöglicht GenAI den Anwendenden bereits, immer komplexere Dokumenttypen und Anwendungsfälle mit historisch schwierigen Elementen wie großen Textabschnitten, Tabellen und Diagrammen zu bearbeiten. Die Nutzung von KI durch IDP hat sich methodisch von traditioneller OCR über komplexere ML-Algorithmen bis hin zu generativer KI und LLMs und zu agentenbasierter KI weiterentwickelt. Doch weiterhin bestehen viele Lösungen aus einem Mix aller oder vieler der aufgezählten Technologien.
Erweiterte IDP-Anwendungsfälle
Unternehmenskunden setzen zunehmend auf IDP-Technologien, um geschäftliche Vorteile wie Produktivitätssteigerungen, Weiterqualifizierung der Mitarbeiter, neue Produkte/Angebote und Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Die von IDC befragten Unternehmen gaben an, dass ihre IDP-Lösungen darauf abzielen, Herausforderungen bei der Skalierung zu bewältigen und mühsame manuelle Dokumentenaufgaben wie das Lesen, Klassifizieren, Extrahieren, Normalisieren, Übersetzen, Zusammenfassen und/oder Verstehen von Dokumenten unabhängig von ihrer Struktur zu eliminieren. Zusätzlich zu diesen eher traditionellen Lösungen zielt modernes IDP zunehmend auf Verbesserungen der Wissensdatenbanken von Unternehmen ab, um Ressourcen für Mitarbeiter aufzubauen und diese in maßgeschneiderte GenAI-LLMs einzuspeisen. Insgesamt wollen Nutzende die Anwendung von IDP innerhalb ihrer Unternehmen vertiefen, indem sie es auf mehr Dokumenttypen und dokumentenzentrierte Anwendungsfälle ausweiten und gleichzeitig weiterhin auf fortschrittliche KI-Tools setzen.
Schlüsseltrends im IDP-Sektor
IDC hebt folgende IDP-Entwicklungen besonders hervor:
LLM-gestützte und konversationsbasierte Schnittstellen
IDP-Anbieter dieser Studie haben Konversationsschnittstellen in ihre Lösungen integriert. Sie wurden auf verschiedene Weise in IDP-Lösungen eingeführt, vor allem als GUI-Einbettungen, separate Plattformmodule oder als völlig neue eigenständige Produkte. Diese Assistenztools sollen Benutzerinnen und Benutzern dabei helfen, Workflows zu erstellen, Dokumente abzufragen, Suchvorgänge über mehrere Dokumente hinweg durchzuführen, Dokumente zusammenzufassen, Inhalte zu generieren oder Wissen zu extrahieren. Konversations-KI-Tools nutzen natürliche Sprache als primäre Schnittstelle, liefern intuitive Einblicke für Fachanwendende und ermöglichen ihnen so eine höhere Produktivität. Ein weiterer interessanter Vorteil dieser Copiloten mit natürlicher Sprache besteht darin, dass sie als wichtige Ressource dienen können, um die Komplexität für den Benutzer beim Aufbau und der Bereitstellung von IDP-Pipelines zu abstrahieren.
Vollständige Workflow-Automatisierung
Vollautomatisierte Prozesse beziehungsweise Straight Through Processing (STP) sind nicht der einzige Maßstab für eine erfolgreiche IDP-Lösung. Aber sowohl Kunden als auch Anbieter erkennen, dass die Maximierung von STP eine der wichtigsten Kennzahlen für die Erzielung eines echten Mehrwerts ist. Kunden sehen in STP eine direkte Senkung der Betriebskosten und schnellere Geschäftsergebnisse, sind sich aber auch der Risiken bewusst, die mit einer fehlerhaften STP-Implementierung verbunden sind.
LLMs als Kostentreiber und Effizienzfaktor
Die Ausgestaltung von IDP-Preismodellen, die den Verbrauch von LLMs und anderen fortgeschrittenen KI-Funktionen berücksichtigen, gestaltet sich schwierig. Aktuell kompensieren Anbieter zum Teil noch entstehende Mehrkosten. In Zukunft müssen Kunden den Mehrwert neuer Funktionen sorgfältig gegen die Auswirkungen auf ihre Budgets abwägen. Häufig führt dies zu der Frage, in welchen Anwendungsfällen LLMs wirklich notwendig sind. Mit der Einführung von agentenbasierten Funktionen äußern Kunden den Wunsch, zu einer wert- oder ergebnisorientierten Preisgestaltung überzugehen. Sie wollen Bedenken hinsichtlich der tatsächlichen Produktivitätssteigerungen durch agentenbasierte Workflows ausräumen. Die Anbieter sind jedoch noch dabei zu prüfen, wie diese Preisgestaltungsmethode effektiv eingeführt werden kann.
Vertikale IDP-Lösungen
Das Wachstum vertikaler und domänenspezifischer Lösungen: Der IDP-Softwaremarkt wird immer dichter. Anbieter versuchen sich stärker voneinander zu unterscheiden und bieten deshalb branchenspezifische Pakete an. Sie dienen meist der Finanzanalyse, dem Vertragsmanagement, der Schadensbearbeitung, der Kundenaufnahme und der E-Mail-Analyse.
Sicherheit und Compliance
Der verstärkte Einsatz moderner KI in der gesamten IDP-Pipeline erhöht die Sensibilität von Unternehmen für Sicherheits- und Datenschutzfragen. Kunden fordern umfassende Garantien für den Schutz ihrer Daten, einschließlich durchgängiger Verschlüsselung bei Übertragung und Speicherung. Darüber hinaus spielen Aspekte wie Modelltransparenz, Benutzerverwaltung, Auditierbarkeit sowie eine klare Datentrennung eine wichtige Rolle. Faktoren wie die Wahl des LLM, nachvollziehbare Audit-Trails und etablierte Sicherheitszertifizierungen der Anbieter (z. B. ISO/IEC 27001 oder FedRAMP) schaffen Vertrauen und fördern die Akzeptanz bei Anwendern.
Problematisch für KMU: Innovationstempo
Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben Schwierigkeiten, mit der rasanten technologischen Entwicklung im IDP-Markt Schritt zu halten. Die schnelle Einführung neuer KI-Funktionen zwingt sie dazu, entweder mitzuziehen oder bewusst eigene Wege zu gehen. Auch wenn nicht jede Neuerung sofort relevant ist, müssen KMU erkennen, welche Funktionen echten Mehrwert bieten, um Effizienzpotenziale nicht zu verpassen. Für IDP-Anbieter wird es daher immer wichtiger, kleinere Unternehmen gezielt aufzuklären, Orientierung zu geben und den Dialog zu suchen.
IDC-Einschätzung von Anbietern
Zu den führenden Anbietern zählt IDC in seinem Bericht unter anderem ABBYY, Hyland, SER Group, OpenText, Google, UiPath und Tungsten Automation. Bei der Festlegung der Gruppe von Anbietern, die in die IDC Marktbetrachtung aufgenommen werden, gelten bestimmte Kriterien. Beispielsweise musste der IDP-Umsatz 2024 bei mindestens 10 Millionen Dollar gelegen haben. 20 Prozent der Geschäftstätigkeit hatte in Nordamerika zu erfolgen und mindestens 5 Prozent in einer weiteren Region. Hyland bietet die IDC-Veröffentlichung mit der Einschätzung zur eigenen Lösung zum kostenlosen Download an. Eine Übersicht zu IDP-Lösungen mit Beschreibung der wichtigsten Funktionen finden Sie zudem hier bei uns auf ECMGUIDE.
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