Published On: 11. März 2026Von

Digitalisierung: Vorteile erkannt, Umsetzung stockt

Zu mehr Tempo bei der Digitalisierung rät der Bitkom anlässlich neuer Umfragedaten. Nur so würden Unternehmen nicht so leicht abgehängt. Gerade mit Künstlicher Intelligenz ließe sich zudem das Datenpotenzial besser ausschöpfen.

Unternehmen verbinden die Digitalisierung überwiegende mit Vorteilen (Bild: Bitkom)

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Unternehmen verbinden die Digitalisierung überwiegend mit Vorteilen (Bild: Bitkom)

Unternehmen profitieren von Digitalisierung

Im Vorfeld der Bitkom-Veranstaltung TRANSFORM hat der IT-Verband den Digitalisierungsstand deutscher Unternehmen in einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Dieser zufolge zieht die breite Mehrheit der Unternehmen ein positives Fazit ihrer bisherigen Digitalisierungs-Bemühungen: 77 Prozent sagen, die Digitalisierung habe ihnen eher Vorteile gebracht, 16 Prozent sogar große Vorteile. Zugleich sehen nur 10 Prozent die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung weltweit in der Spitzengruppe, umgekehrt verorten 16 Prozent sie unter den Nachzüglern und 7 Prozent halten sie sogar für abgeschlagen. Für die große Mehrheit (63 Prozent) liegt Deutschland hingegen im Mittelfeld. Für drei Viertel der Unternehmen (78 Prozent) ist die derzeitige Krise der deutschen Wirtschaft auch eine Krise zögerlicher Digitalisierung.

Trotz der weit überwiegend positiven Einschätzung von Digitalisierungseffekten: Aktuell hat rund die Hälfte der Unternehmen in Deutschland (51 Prozent) Probleme, die Digitalisierung zu bewältigen. 13 Prozent sehen durch die Digitalisierung sogar die Existenz ihres Unternehmens in Gefahr, vor einem Jahr lag der Anteil nur bei 7 Prozent, 2024 bei 4 Prozent. Zwei Drittel (65 Prozent) stellen fest, dass ihnen Wettbewerber aus der eigenen Branche, die frühzeitig auf Digitalisierung gesetzt haben, nun voraus sind. Jedes fünfte sieht seine Marktstellung durch aufstrebende Startups gefährdet. »Bei der Digitalisierung ist Deutschland gespalten: Wir haben Unternehmen, die auch im internationalen Vergleich ganz vorne mit dabei sind, und solche, die Gefahr laufen abgehängt zu werden«, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. »Unser gemeinsames Ziel muss sein, alle mitzunehmen, insbesondere auch die breite Basis der kleineren und mittelständischen Unternehmen.«

Mit DMS- und ECM-Systemen Datenschatz heben

Für die Unternehmen geht es um mehr als einzelne Verbesserungen und Effizienzgewinne. So geben 42 Prozent an, dass sich ihr Geschäftsmodell durch die Digitalisierung verändert. Insbesondere der Nutzung vorhandener Daten kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Ein Drittel (32 Prozent) nutzt das Potenzial dieser Daten bereits, 5 Prozent schöpfen es nach eigenen Angaben sogar vollständig aus. Umgekehrt verwenden 61 Prozent ihre Daten bisher kaum oder gar nicht: 48 Prozent sagen, sie nutzen das Potenzial eher wenig aus, 13 Prozent nutzen es überhaupt nicht. Allerdings ergreifen 3 von 10 Unternehmen (29 Prozent), die aktuell ihr Datenpotenzial nicht ausschöpfen, Maßnahmen, um das zu ändern. Weitere 43 Prozent planen dies oder diskutieren darüber. »Viele deutsche Unternehmen sitzen auf einem Datenschatz, den sie noch nicht gehoben haben – und von dem sie zu oft noch gar nichts wissen«, so Wintergerst. »Diese Daten können die Basis eines echten Digitalisierungsschubs sein, sei es beim Einsatz Künstlicher Intelligenz oder der Entwicklung neuer Geschäftsfelder.«

Gerade Dokumentenmanagement- und Enterprise Content Management-Systeme beinhalten nicht nur archivpflichtige Dokumente, sondern wertvolle Informationen. Sie können gerade mit KI wertvolle Analysen und die Digitalisierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen bewirken. Produkte und Technologien, die in diesem Zusammenhang helfen, sowie Nutzungsszenarien und Rahmenbedingungen beschreiben wir auf ECMGUIDE unter anderem in diesem Online Special.

Digital-Innovationen fallen leichter

Insgesamt kommt die deutsche Wirtschaft bei der Entwicklung von Digital-Innovationen voran, wenngleich langsam. So fällt rund jedem vierten Unternehmen (23 Prozent) die Entwicklung neuer digitaler Produkte oder Dienstleistungen leicht, vor einem Jahr lag der Anteil bei nur 16 Prozent. Umgekehrt sagen 40 Prozent, dass ihnen dies schwerfällt – nach 51 Prozent im Vorjahr. Nahezu unverändert entwickelt gut ein Drittel (34 Prozent, 2025: 31 Prozent) überhaupt keine digitalen Produkte oder Dienstleistungen. Zugleich spielen Digitalumsätze für die deutsche Wirtschaft eine wichtige Rolle. Nur 6 Prozent erwarten, in fünf Jahren gar kein Digitalgeschäft zu haben. 9 Prozent gehen dagegen davon aus, mindestens die Hälfte ihres Umsatzes digital zu erzielen. Die große Mehrheit (56 Prozent) rechnet mit einem Anteil der Digitalumsätze von 10 bis 50 Prozent, 8 Prozent rechnen mit weniger als 10 Prozent.

Zwar stellt jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) fest, dass aufstrebende Startups seine Marktposition gefährden, bei der Kooperation mit Startups zögern aber die meisten Unternehmen. Zwei Drittel (67 Prozent) arbeiten überhaupt nicht mit Startups zusammen, 31 Prozent tun dies in der ein oder anderen Form. 2 Prozent haben aus dem eigenen Unternehmen heraus ein Startup gegründet, 3 Prozent haben spezielle Programme wie Inkubatoren oder Akzeleratoren aufgesetzt und 9 Prozent sind finanziell an Startups beteiligt. 14 Prozent entwickeln gemeinsam mit Startups Produkte und Dienstleistungen und 28 Prozent arbeiten auf eine andere Art mit Startups zusammen, etwa bei Gründerwettbewerben. Bei der Vorstellung der Studie empfiehlt Wintergerst aus eigener Erfahrung als Group CEO von Giesecke+Devrient die Zusammenarbeit mit Start-ups auf allen Ebenen – sei es bei Entwicklungen, Projekten und auch bei der Förderung und Finanzierung.

Wichtige Schlüsseltechnologien aus Sicht von Unternehmen (Bild: Bitkom)

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Wichtige Schlüsseltechnologien aus Sicht von Unternehmen (Bild: Bitkom)

KI ist die Schlüsseltechnologie

Beim Einsatz digitaler Technologien in Unternehmen hat KI die Führungsrolle übernommen. 86 Prozent gehen davon aus, dass KI eine große Bedeutung für die Wirtschaft hat, 41 Prozent nutzen inzwischen selbst KI, weitere 48 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. Dahinter folgt das Internet of Things (IoT), dem 82 Prozent eine große Bedeutung zusprechen. Robotik ist für 81 Prozent von großer Bedeutung für die Wirtschaft (38 Prozent Nutzer, 27 Prozent in Planung oder Diskussion) und autonome Fahrzeuge für 69 Prozent (22 Prozent Nutzer, 31 Prozent in Planung oder Diskussion).

Größere Diskrepanzen zwischen grundsätzlicher Einschätzung der Bedeutung und tatsächlicher Nutzung gibt es bei drei Technologien: 55 Prozent halten Blockchain für wirtschaftlich bedeutend, aber nur 4 Prozent nutzen sie und 13 Prozent planen es oder diskutieren darüber. Beim Metaverse stehen 35 Prozent, die eine große Bedeutung sehen, 4 Prozent gegenüber, die das Metaverse im Einsatz haben, weitere 9 Prozent planen dies oder diskutieren darüber. Und Quantencomputing wird von 54 Prozent eine große Bedeutung für die Wirtschaft zugesprochen, derzeit wird es aber noch praktisch nicht eingesetzt und 5 Prozent planen oder diskutieren es. »Nicht jede Technologie ist für jedes Unternehmen geeignet und wer digitalisiert, muss Prioritäten setzen«, sagt Wintergerst. Wichtig sei, Erfahrungen mit den Technologien zu sammeln, die möglicherweise große Auswirkungen auf das eigene Geschäft haben, um nicht zu spät dabei zu sein und dann erst mühsam aufschließen zu müssen.

Falsche Einschätzung der KI-Kosten

Bei Künstlicher Intelligenz bewerten sich die Unternehmen, die KI bereits verwenden, eher zurückhaltend. 30 Prozent sehen sich eher als Vorreiter, 62 Prozent eher als Nachzügler, niemand glaubt, den Anschluss verpasst zu haben. Ein Drittel (33 Prozent) hat festgestellt, dass KI zu deutlich höheren Kosten geführt hat, als zuvor erwartet wurde. Aber bei 45 Prozent wurden interne Prozesse deutlich beschleunigt, bei 44 Prozent wurden Produkte oder Dienstleistungen verbessert und 29 Prozent haben sogar dank KI neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt. 19 Prozent geben an, wegen KI Stellen abgebaut zu haben.

Höhere Investitionsbereitschaft

Die Bereitschaft der Unternehmen, in Digitalisierung zu investieren, zieht 2026 trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen an. 36 Prozent wollen in diesem Jahr mehr investieren als im Vorjahr, 2025 lag der Anteil bei 29 Prozent, 2024 sogar nur bei 21 Prozent. Umgekehrt wollen nur 13 Prozent ihre Investitionen zurückfahren, nach 25 Prozent 2025 und 30 Prozent 2024. 51 Prozent wollen in diesem Jahr ihr Investitionsniveau halten.

TRANSFORM am 18. und 19. März  in Berlin

Konkrete Hilfe bei der Digitalisierung, Austausch mit anderen Unternehmen und Startups sowie Einblick in Best Practices gibt Bitkom am 18. und 19. März 2026 mit der TRANSFORM in der Station Berlin. Eröffnet wird die Mischung aus Expo und Kongress, Praxis-Workshops und Dialogforen in diesem Jahr von Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst, Bayer-CEO Bill Anderson, Siemens-CEO Dr. Roland Busch und Commerzbank-CEO Dr. Bettina Orlopp. Erwartet werden an den beiden Tagen mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher. 320 Speaker bestreiten mehr als 200 Stunden Programm auf drei Bühnen.

Mit dabei sind außerdem unter anderem Dr. Sven Deglow, CEO Deutsche Kreditbank (DKB), Aletta von Massenbach, CEO Flughafen BER, Hauke Stars, Mitglied des Vorstands und verantwortlich für IT bei der Volkswagen AG, Dr. Gundbert Scherf, Co-CEO & Gründer Helsing, Generalleutnant Michael Vetter, Abteilungsleiter Innovation und Cyber im Bundesministerium für Verteidigung, und Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Für die Politik haben ihre Teilnahme zugesagt: Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin.

Verlosung zur kostenfreien Teilnahme

Am ersten Tag findet parallel die Digital Office Conference statt, bei der praxisnahe Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien rund um Büroanwendungen im Mittelpunkt stehen. Am zweiten Tag lädt Bitkom zur Work & Culture, auf der aktuelle Fragen der digitalen Arbeitswelt diskutiert werden.

Der reguläre Eintrittspreis für beide Tag der TRANSFORM und den begleitenden Veranstaltungen beträgt 800 Euro. Wer sich noch die Chance auf eine kostenfreie Teilnahme sichern möchte, kann noch bis Freitag an unserem Gewinnspiel teilnehmen, bei dem wir 10 Tickets verlosen.

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About the Author: Annette Stadler

Annette Stadler ist IT-Journalistin und leitet das Online-Portal ECMGUIDE.
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