31.03.2020 (as)
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Interview mit Amagno-Chef Jens Büscher zur Coronakrise

Greift das Hilfspaket der Bundesregierung im Zuge der Coronakrise, werden nach Meinung von Jens Büscher viele Unternehmen die Digitalisierung sehr schnell endlich starten. Im Interview äußert der Geschäftsführer von Amagno unter anderem, dass so ECM-Anbieter, die sich bereits klar zur Cloud positioniert haben, sehr gestärkt aus der Krise hervorgehen könnten.

Die Finanz- und Wirtschaftsbranche rauscht aufgrund der Verbreitung des Coronavirus mit wenigen Ausnahmen in den Keller. Wie beurteilen Sie generell die aktuelle Situation?

Jens Büscher, Geschäftsführer von Amagno, erwartet deutlich höheren Digitalisierungsbedarf als Folge der Coronakrise (Bild: Amagno)Jens Büscher, Geschäftsführer von Amagno, erwartet deutlich höheren Digitalisierungsbedarf als Folge der Coronakrise (Bild: Amagno)Büscher: Die Gesamtsituation trägt zu Recht die Bezeichnung »Historisch«. Und man kann den Begriff »Stresstest« sehr gerne bemühen, denn es ist eine Bewährungsprobe für die ganze Welt. Sie steht leider am Anfang. Hier zeigen sich die negativen Auswirkungen der länderübergreifenden Abhängigkeiten, zum Beispiel in der Produktion. Durch die drastischen Maßnahmen weltweit werden Lieferketten und Produktionen unterbrochen. In welcher Form in einigen Monaten die Welt wieder »in Fahrt« kommt, ist offen. Die USA sehe ich gerade erst am Anfang, während Europa schon weiter vorangeschritten ist und China schon wieder den Zündschlüssel dreht. In einigen Monaten werden wir alle auch die Verantwortung für Länder mit übernehmen müssen, die ein deutlich schlechteres Gesundheitssystem haben. Je kürzer der aktuelle Prozess ist, desto besser ist es für die Wirtschaft und am Ende für jeden einzelnen Arbeitsplatz. Aber hier zeigt sich auch direkt bei vielen Unternehmen das Versäumnis einer durchgängigen Digitalisierung.

Wie arbeitet AMAGNO in Zeiten von Corona?

Büscher: Wir haben bereits früh begonnen, die Mitarbeiter zu sensibilisieren. Als die Effekte noch nicht so drastisch absehbar waren, wurden zuerst sämtliche Präsenztermine abgesagt und auf digitale Kanäle geleitet. Dies unter bewusstem Verzicht auf Umsätze. Erstaunlich hoch empfand ich die Akzeptanz dafür bei den Kunden und Interessenten. In der zweiten Märzwoche wurde AMAGNO komplett auf das Home Office umgestellt, was mit unseren Werkzeugen, »Slack«, »Teams«, »Jira«, »NFON« und natürlich »AMAGNO« reibungslos funktioniert. Sehr positiv hat sich herausgestellt, dass wir unsere internen Termine, wie Dailys und Retros, auch Online beibehalten haben, um das Gefühl der Struktur zu bewahren.

Welche Auswirkungen hat die Corona Krise auf Amagno?

Büscher: Die Antwort könnte vermutlich von Woche zu Woche anders ausfallen. Aktuell gibt es einen starken Kontrast. Die Branchen werden nicht gleichzeitig, sondern in einer Wechselwirkung schwächeln und andere Branchen dagegen positiv gestresst. So erkennen wir deutlich in bestimmten Branchen einen Einbruch bei den geplanten Projekten. Dagegen hat sich aber die Menge der neuen Leads in den letzten zwei Wochen annähernd verdoppelt, da der Bedarf an Digitalisierung enorm und schnell steigt. Somit gleicht sich das derzeit bei uns sehr gut aus.

Welche Auswirkungen hat die Coronakrise Ihrer Meinung nach auf die Branche rund um Enterprise Content Management (ECM)?

Büscher: Die mittelfristigen Folgen auf die Wirtschaft allgemein sind nicht gut vorherzusagen. Wenn die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen würden, werden sehr viele Unternehmen die Digitalisierung sehr schnell endlich starten. Wenn das Hilfspaket der Bundesregierung greift, könnte dies für unsere ECM-Branche, bei aller menschlichen Tragödien, einen sehr positiven Einfluss haben. Allerdings befürchte ich, dass viele Elemente des Hilfspakets durch die fehlende hundertprozentige Bürgschaft des Staats von den Banken nicht an Unternehmen durchgereicht werden, die sich dann eh schon in massiven Problemen befinden. Daraus wäre zu erwarten, dass einige Bestandskunden Verträge mit ECM-Anbietern lösen müssen.

Wie werden Ihrer Meinung nach die ECM-Anbieter mit der Krise fertig werden?

Büscher: Das kommt für mich sehr auf das Geschäftsmodell des Anbieters an. Wir hatten 2018 die Herausforderung, dass der überwiegende Teil der neuen Interessenten aus guten Gründen in die Cloud wollte, unsere Firma aber organisatorisch auf On Premise eingestellt war. Hier zeigte sich die ganze Schwäche von On-Premise-Lösungen mit Einmalinvestition und hohen Projektkosten. Aus dieser Erfahrung kann ich sagen: Hat ein Anbieter noch keine Cloudstrategie, wird er diese Auswirkungen jetzt drastisch zu spüren bekommen. Und die Cloudlösungen gehen als dauerhafte Gewinner aus der Corona Krise hervor. On Premise wird eine Nischenlösung werden. Jeder Anbieter, der vorrangig On-Premise-Lösungen verkauft, wird bald und langfristig starke existenzielle Probleme bekommen. Amagno fokussiert sich seit eineinhalb Jahren mit einem Turn Around strategisch auf seine Business Cloud. Das bedeutet einen kompletten Strategiewechsel hin zur Plattform und Skalierung. In der Coronakrise zeigt sich aber, wie wichtig die Cloudstrategie eines Anbieters ist. Selbst bei einem Wegfall vieler Kunden wäre unser Unternehmen nicht bedroht. Und die Cloud ermöglicht einen sofortigen Einstieg in die Digitalisierung bei geringsten und monatlich klaren Kosten. Als Fazit sehe ich, dass alle Anbieter, die sich bereits klar zur Cloud positioniert haben, beispielsweise Docuware, d.velop und natürlich auch wir, sehr gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Anbieter mit fehlender oder halbherziger Cloudstrategie könnten scheitern und oder werden interessante Kaufkandidaten. Die Anbieterlandschaft in einem Jahr wird eine andere sein als heute.

Einige deutsche Unternehmen – gerade der Mittelstand – sind ja noch etwas skeptisch gegenüber cloud-basierten ECM-Lösungen, die aber hohe Flexibilität aufweisen, welche in Zeiten wie diesen gefragt ist. Wird sich durch die Coronakrise etwas an der Einstellung ändern?

Büscher: Bereits seit zwei Jahren verändert sich die Akzeptanz zu Cloudlösungen massiv. Es hat sich also schon etwas geändert. Die Voraussetzungen für Cloudlösungen werden täglich besser, zum Beispiel Leitungskapazitäten. Die Betriebskosten sind gering. Viele Lösungen zur Digitalisierung lassen sich über Schnittstellen schnell realisieren, zum Beispiel den digitalen Posteingang oder das automatische Laden von Rechnungen aus Onlineportalen. Gerade in dieser Krise zeigt sich für viele Firmen, klein bis groß, die starke Abhängigkeit ihres Arbeitsplatzes vom lokalen Büro. Lokale Akten, Datei- und Netzlaufwerke, Briefkästen, manuelle Prozesse auf Papier. Genau hier wird jetzt ein zusätzliches Bewusstsein zur Cloud geschaffen, denn auf dieser Basis lassen sich alle diese Herausforderungen extrem schnell oder sofort lösen. Stellen wir uns mal vor, was ein Unternehmen bei On Premise jetzt leisten müsste: IT Admins, Hard- und Softwarebeschaffung, Sicherheitskonzepte, Zertifizierungen, Inbetriebnahme, VPN Leitungen und vieles mehr. Und diese Investitionen in einer wirtschaftlich schwierigen Situation? Kaum machbar. Mit der Cloud – alles sofort verfügbar mit geringsten Investitionen.


Kommentare (1)

03.04.2020 - jokemelk

Interessanter Artikel, dann wollen wir mal hoffen, dass amango die „Massentests“ gut übersteht.