Published On: 4. März 2026Von

Bitkom-Studie: Frauen fehlen in IT- und Digitalberufen

Eine neue Studie des Bitkom zum internationalen Frauentag zeigt: Frauen sind in IT- und Digitalberufen nach wie vor unterrepräsentiert. Unternehmen und Politik könnten den Anteil deutlich erhöhen – und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Zielsetzungen zur Erhöhung des Frauenanteils in Unternehmen (Bild: Bitkom)

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Zielsetzungen zur Erhöhung des Frauenanteils in Unternehmen (Bild: Bitkom)

Männerdominanz in der IT-Branche

Ein Blick auf viele Branchenpublikationen – auch auf ECMGUIDE – zeigt, dass in Berichten überwiegend männliche IT-Fach- und Führungskräfte zu Wort kommen. Das liegt weniger an der Auswahl der Redaktionen als an der Realität in der Branche: Frauen sind in IT- und Digitalberufen sowie in entsprechenden Führungspositionen noch immer deutlich unterrepräsentiert.

Wie die Situation in Unternehmen tatsächlich aussieht und welche Hürden weiterhin bestehen, zeigt eine aktuelle repräsentative Studie des Bitkom, die anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März veröffentlicht wurde. Demnach sind auch im Jahr 2026 noch 43 Prozent der Unternehmen der Ansicht, Männer seien für IT- und Digitalberufe besser geeignet. In fast jedem zweiten Unternehmen (48 Prozent) herrscht zudem die Meinung vor, IT- und Digitalberufe würden Frauen eher abschrecken.

»Stereotype Rollenbilder sind noch in zu vielen Unternehmen verankert«, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. »Wenn IT-Berufe Frauen abschrecken oder ihnen zu wenig bekannt sind, ist das kein Naturgesetz. Es ist ein klarer Auftrag an Unternehmen, Bildung und Politik, Barrieren abzubauen und IT-Berufe für Frauen sichtbar und attraktiv zu machen.«

Vorteile gemischter Teams unbestritten

Dabei bewerten deutsche Unternehmen Gleichstellung überwiegend positiv – und sehen in ihr auch einen Faktor für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Unternehmen sagen, ohne Frauen verspiele die Wirtschaft ihre Zukunft. 65 Prozent sind der Auffassung, dass die Wirtschaft das IT-Fachkräfteproblem ohne Frauen nicht lösen kann. Zugleich wissen Unternehmen die Vorteile gemischter Teams zu schätzen. 9 von 10 Unternehmen (91 Prozent) sind der Auffassung, dass Teams aus Frauen und Männern das Betriebsklima verbessern und sich positiv auf die Unternehmenskultur auswirken. 8 von 10 (80 Prozent) sind überzeugt, dass gemischte Teams Produktivität und Kreativität im Unternehmen steigern.

In der beruflichen Praxis bleiben Frauen jedoch weiterhin unterrepräsentiert. In 58 Prozent der deutschen Unternehmen sind weniger als die Hälfte der Beschäftigten weiblich – im Jahr 2025 waren es 64 Prozent. Ein Viertel der Unternehmen (25 Prozent) berichtet von einem annähernd ausgeglichenen Verhältnis von Frauen und Männern (2025: 19 Prozent). 13 Prozent beschäftigen mehr Frauen als Männer, im Vergleich zu 15 Prozent im Vorjahr.

Der Frauenanteil steigt im Vergleich zum Vorjahr - ist aber auf geringem Niveau (Bild: Bitkom)

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Der Frauenanteil steigt im Vergleich zum Vorjahr - ist aber auf geringem Niveau (Bild: Bitkom)

Typische IT-Jobs überwiegend männlich

Deutlich größer ist das Ungleichgewicht in IT- und Digitalfachbereichen. Bei diesen Tätigkeiten, wie der IT-Administration, Softwareentwicklung, aber auch in Abteilungen für digitale Transformation oder Künstliche Intelligenz beschäftigt keines der repräsentativ befragten Unternehmen mehr Frauen als Männer – so wie auch schon im Vorjahr. In 89 Prozent der Unternehmen sind weniger als die Hälfte der Stellen in IT- und Digitalfachbereichen mit Frauen besetzt. Im Vorjahr lag dieser Anteil mit 94 Prozent etwas höher. Lediglich 9 Prozent berichten hier von einem annähernd ausgeglichenen Geschlechterverhältnis (2025: knapp 4 Prozent). Entsprechend kritisch fällt auch die internationale Einordnung aus: 67 Prozent der Unternehmen sehen die deutsche Wirtschaft beim Thema Gleichstellung in IT- und Digitalberufen unter den Nachzüglern, 17 Prozent meinen sogar, die deutsche Wirtschaft habe den Anschluss verpasst. »Wer digitale Transformation und KI erfolgreich gestalten will, kann es sich nicht leisten, auf die Hälfte der Talente zu verzichten«, sagt Wintergerst.

Was Frauen in IT- und Digitalberufen ausbremst

Aus Sicht der Wirtschaft sind die Gründe für den niedrigen Frauenanteil in IT- und Digitalberufen vielfältig – und liegen häufig auch bei den Unternehmen selbst. Die Hälfte der Unternehmen (50 Prozent) sieht Hürden beim Wiedereinstieg, etwa fehlende Weiterbildungen während der Elternzeit, als zentralen Faktor. 48 Prozent nennen eine unzureichende Sensibilisierung von Führungskräften mit Personalverantwortung. Zudem spielen Stereotype innerhalb der Unternehmen eine Rolle: 47 Prozent sehen männlich geprägte Rollenbilder als Hemmnis. 39 Prozent sprechen von einer »gläsernen Decke«, also einer strukturellen Benachteiligung von Frauen bei gleicher Qualifikation und Leistung. 35 Prozent geben an, Frauenförderung werde von Teilen der männlichen Belegschaft als ungerecht empfunden.

Auch politische Faktoren werden als Ursache genannt. Über die Hälfte der Unternehmen (55 Prozent) sieht Hürden beim Quereinstieg, 48 Prozent Defizite bei der Betreuungsinfrastruktur und 40 Prozent eine klischeebehaftete Berufsorientierung als Gründe für den geringen Frauenanteil.

Faktoren, die Frauen im IT-Bereich ausbremsen (Bild: Bitkom)

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Faktoren, die Frauen im IT-Bereich ausbremsen (Bild: Bitkom)

Frauenförderung im IT-Bereich

Um tatsächlich mehr Frauen speziell für IT- und Digitalberufe zu gewinnen, setzt ein Großteil von 79 Prozent der Unternehmen mindestens eine Maßnahme zum gezielten Recruiting von Frauen ein. Am weitesten verbreitet sind demnach Kooperationen mit Hochschulen und Schulen, die 29 Prozent der Unternehmen bereits pflegen, um Frauen für IT- und Digitalberufe zu gewinnen. 25 Prozent bieten spezielle Einstiegsprogramme wie Traineeships an. 24 Prozent nutzen auf Frauen zugeschnittene Werbe- beziehungsweise Social-Media-Kampagnen, 23 Prozent sind auf frauenspezifischen Karriereevents oder -messen aktiv.

Über den IT-Bereich hinaus begegnet ein Teil der Unternehmen Frauenförderung weiterhin mit Vorbehalten – teils grundsätzlich, teils mit Blick auf die Umsetzung. So stimmen 20 Prozent der Befragten der Aussage zu, Frauenförderung belaste Unternehmen unnötig, 23 Prozent sagen, sie lohnt sich nicht. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) hält Frauenförderung sogar für nicht mehr notwendig. Überhaupt ist die Skepsis gegenüber der Frauenförderung weit verbreitet: 34 Prozent der Unternehmen sind der Auffassung, Frauenförderung wäre Männern gegenüber ungerecht, 35 Prozent sehen darin eine Ablenkung von wichtigeren Themen. Auch der Zweifel an der Glaubwürdigkeit vieler Initiativen fällt ins Gewicht: 38 Prozent sind der Ansicht, Frauenförderung werde häufig nur vorgeschoben – tatsächlich wollten viele Unternehmen in der Praxis nichts verändern.

Bessere Rahmenbedingungen für Frauen

Trotz dieser Vorbehalte bleibt Frauenförderung für viele Unternehmen ein relevantes Thema – und die entsprechenden Maßnahmen werden weiter ausgebaut. Sowohl bei der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie als auch zur Unterstützung im Job nutzen Unternehmen aktiv Maßnahmen. Am häufigsten setzen sie dabei auf mobiles Arbeiten: Aktuell geben 86 Prozent an, entsprechende Angebote umzusetzen oder zu planen, 2025 waren es 80 Prozent. Auch familienfreundlichere Arbeitsbedingungen legen zu und steigen von 66 auf 78 Prozent. Bei der direkten Karriereförderung bleibt Weiterbildung mit 72 Prozent auf hohem Niveau. Besonders stark wächst Mentoring von 36 auf 51 Prozent. »Frauenförderung darf nicht an Vorurteilen oder Symbolpolitik scheitern – sie muss im Alltag funktionieren«, so Wintergerst. »Die Zahlen zeigen: Viele Unternehmen werden aktiv, etwa bei flexiblen Arbeitsmodellen und Mentoring-Angeboten. Entscheidend ist jetzt, Maßnahmen konsequent umzusetzen und insbesondere dort nachzuschärfen, wo Strukturen Frauen noch ausbremsen.«

Politische Maßnahmen zur Frauenförderung

Auch die Politik ist aus Unternehmenssicht in der Pflicht, den Frauenanteil in IT- und Digitalberufen zu erhöhen: Keines der befragten Unternehmen sagt, es bedürfe keiner weiteren Maßnahmen der Politik, 2025 teilten noch 5 Prozent diese Meinung. Besonders häufig gefordert werden derzeit mehr Investitionen in Betreuungsinfrastruktur (71 Prozent) sowie Maßnahmen entlang der Bildungskette – etwa die Förderung des IT-Interesses von Mädchen und jungen Frauen (59 Prozent). Öffentliche Kampagnen beziehungsweise Role-Model-Programme sehen 57 Prozent der Unternehmen ebenfalls als Maßnahme, die die Bundesregierung angehen sollte.

Bitkom unterstützt #SheTransformsIT

»Frauenförderung ist nicht nur gut für die geförderten Frauen, sie ist mindestens ebenso gut für die fördernden Unternehmen«, ergänzt Wintergerst. Um Frauen für Karrieren in der digitalen Wirtschaft zu begeistern und Politik und Unternehmen bei der Förderung weiblicher Fach- und Führungskräfte zu unterstützen, engagiert sich der Bitkom in der Initiative #SheTransformsIT. Das interdisziplinäre Bündnis aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft setzt sich dafür ein, Mädchen und Frauen in der digitalen Welt zu stärken. »Viele Mädchen und Frauen entscheiden sich nicht gegen IT, weil sie es nicht können – sondern weil sie sich dort nicht sehen«, sagt Susanne Dehmel, Mitglied im Steuerungskreis von #SheTransformsIT und der Bitkom-Geschäftsleitung. »Genau hier setzen wir an: mit sichtbaren Vorbildern, praxisnaher Berufsorientierung und Netzwerken, die Frauen auf ihrem Karriereweg stärken.«

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About the Author: Annette Stadler

Annette Stadler ist IT-Journalistin und leitet das Online-Portal ECMGUIDE.
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