26.03.2020 (as)
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Interview mit ELO-Chef Karl Heinz Mosbach zur Coronakrise

Obwohl aktuell aufgrund der Coronakrise quasi Schockstarre herrscht, erwartet Karl Heinz Mosbach, Geschäftsführer von ELO Digital Office einen positiven Effekt, wenn das Thema wieder in der Balance ist. Im Interview spricht Mosbach sowohl über mögliche Folgen im ECM-Umfeld als auch über erhoffte Änderungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Die Finanz- und Wirtschaftsbranche rauscht aufgrund der Verbreitung des Coronavirus mit wenigen Ausnahmen in den Keller. Welche Auswirkungen hat die Coronakrise Ihrer Meinung nach auf die Branche rund um Enterprise Content Management (ECM)?

ELO-Chef Karl Heinz Mosbach erläutert mögliche Folgen der Coronakrise (Bild: ELO Digital Office)ELO-Chef Karl Heinz Mosbach erläutert mögliche Folgen der Coronakrise (Bild: ELO Digital Office)Mosbach: Generell fürchten viele Unternehmen leider um ihre Existenz und es wird auch einige Arbeitslose geben, denn bevor ein Unternehmen Konkurs geht, wird es zu Kurzarbeit oder zu Entlassungen kommen. Es ist zu hoffen, dass die Politik dies abfedern kann, aber ganz umgehen lassen sich die negativen Auswirkungen mit Sicherheit nicht. Natürlich hat diese Entwicklung auch Auswirkungen auf unser Geschäft. Da im Moment jeder erst einmal in Schockstarre ist und keiner die Ausmaße abschätzen kann, sind Unternehmensverantwortliche vorsichtig, was Ausgaben betrifft. Sie schauen auf Investitionen, die sich schieben lassen – das macht gerade jeder. Wir haben das große Glück, dass wir große Rücklagen haben und kapitalmäßig sehr gut aufgestellt sind. Jedoch hat die Krise auch bei uns negative Auswirkungen und wir merken dies in den Projekten. Gerade sollte zum Beispiel ein Up-Date-Projekt in einem skandinavischen Unternehmen stattfinden, das sich aber verschiebt, weil die Mitarbeiter im Homeoffice sind und man einen Go-live nicht im Notbetrieb durchführen möchte.

Wie arbeitet ELO Digital Office in Zeiten von Corona?

Mosbach: Auch unsere Mannschaft arbeitet nahezu komplett vom Homeoffice aus. Wir nutzen beispielsweise unsere Collaboration-Lösung »ELO Teamroom«, um in virtuellen Projekträumen auch mit externen Dienstleistern zusammen zu arbeiten, die keinen Zugriff auf das ELO System haben. So sparen wir uns viele E-Mails, da wir die Kommunikation in den Teamroom verlegen können. Zudem können wir uns remote auf Lösungen bei Kunden aufschalten, diese weiterentwickeln und fertig customizen.

Wenn Sie etwas weiter nach vorne blicken, mit welchen Folgen rechnen Sie dann?

Mosbach: Nach einigen Monaten, wenn das Thema hoffentlich in der Balance ist, erhoffen wir uns einen positiven Effekt und sogar verstärkte Nachfrage. Dann liegt es an uns, den Unternehmen attraktive Angebote zu machen. Im Rückblick werden die Unternehmen erkennen, dass sie mehr digitalisieren müssen, um besser auf solche Krisen vorbereitet zu sein. Wenn noch einmal so eine Welle kommt, muss einfach bereits mehr digitalisiert sein. Diese Nachfrage können wir und unser Partnernetzwerk aber auch nur entsprechend unserer Ressourcen bedienen, weil immer ein gewisses Maß an Dienstleistung mit dabei ist.

Wie werden Ihrer Meinung nach andere ECM-Anbieter mit der Krise fertig werden?

Mosbach: Hier gibt es verschiedene Unterscheidungskriterien wie Vertriebs- und Produktstrategie sowie Gesellschaftsform. Eine Firma, die nur über den Direktvertrieb verkauft, verzeichnet sicherlich größere Einbrüche, weil ihre Kostenstruktur anders aussieht. Denn dann muss das Unternehmen die ganzen Personalkosten stemmen und es hat größere Probleme, wenn die Projekte on hold gehen. Sind alle Angestellten zuhause, wird dies richtig teuer. Allein unser deutscher Vertrieb ist dagegen auf über 200 Systemhäuser verteilt, was den Anteil der eigenen Vertriebskosten senkt. Offen ist auch, wie große Konzerne wie Ricoh oder Kyocera reagieren, die im vergangenen Jahr deutsche ECM-Anbieter übernommen haben und ihr Hauptgeschäft in anderen Bereichen haben. Die Gefahr besteht, dass, wenn gespart werden muss, dies nicht im Hauptgeschäft, sondern bei den zugekauften neuen Geschäftsfeldern geschieht. ELO ist in der komfortablen Situation von den Gründungsgesellschaftern geführt zu sein, die ein ureigenes Interesse haben, ihr Kerngeschäft weiterhin erfolgreich zu führen.

Einige deutsche Unternehmen – gerade der Mittelstand – sind ja noch etwas skeptisch gegenüber cloud-basierten ECM-Lösungen, die aber hohe Flexibilität aufweisen, welche in Zeiten wie diesen gefragt ist. Wird sich durch die Coronakrise etwas an der Einstellung ändern?

Mosbach: Vermutlich wird die Coronakrise das Thema erheblich beflügeln. Jetzt werden nämlich sehr schnell digitale Lösungen benötigt, um arbeitsfähig zu sein. Dies ist mit Cloud-Lösungen schneller möglich. Der ein oder andere, der bisher nichts gemacht hat, wird nun wesentlich offener sein und denken: Wenn ich jetzt meine Lösung in der Cloud hätte, könnten meine Mitarbeiter schneller und effizienter von zu Hause aus arbeiten.

Wie beurteilen Sie generell die aktuelle Situation?

Mosbach: Jetzt zeigt sich, dass unser Kapitalismus mit einem kleinen Virus außer Kraft gesetzt wird. Wir spüren in der Krise auf einmal, dass ständige Rationalisierung in allen Bereichen nichts bringt und wir uns teils zu Tode gespart haben. Es ging nur noch um Effizienz und den maximalen Profit. Alles ist auf Kante genäht, bei Ärzten und Pflegekräften aber auch in vielen weiteren Bereichen wie dem Schulbetrieb. Leute, die wir jetzt und in Zukunft stärker brauchen, haben wir nicht selten schlecht behandelt und bezahlt. Jetzt merken wir, dass wir umdenken und bestimmte Bereiche besser regulieren müssen. Alle Branchen verdienen Attraktivität, gute Bezahlung und Anerkennung. Dabei kann die Digitalisierung entlasten, helfen und Fortschritt bringen, wenn Politik und Gesellschaft ihre Hausaufgaben machen und richtig steuern. Dass die Digitalisierung hierbei Arbeitsplätze vernichtet, ist ein Ammenmärchen. Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt, ermöglicht dass wir effizienter arbeiten und Kosten einsparen können. Wenn wir diese Werte aber eins zu eins in den Kreislauf zurückführen, wir uns mehr um vernachlässigte Themen, wie Ausbildung, Gesundheit, Pflege, Soziales und vieles mehr kümmern, wird es nahezu immer Vollbeschäftigung geben. Vielmehr werden wir die Situation erleben, dass uns Millionen an Arbeitskräften fehlen, weil wir nicht genügend Menschen bei uns haben, um diese Stellen zu besetzten. Vorausgesetzt, wir handeln rechtzeitig, planen langfristig in die Zukunft, packen die Dinge an und agieren nicht situationsbedingt – wie derzeit von heute auf morgen.



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