09.05.2017 (as)
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Investor Thoma Bravo übernimmt Software-Sparte von Lexmark

  • Inhalt dieses Artikels
  • Lexmark kaufte viele Firmen und wurde letztlich selbst verkauft
  • Was wird aus der Saperion-Sparte?
Deutschland-Zentrale von Lexmark in Neu-Isenburg (Bild: Annette Stadler)Das Private-Equity-Unternehmen Thoma Bravo will die Enterprise-Software-Sparte von Lexmark übernehmen. Lexmark Enterprise Software setzt sich unter anderem aus den von Lexmark in den vergangenen Jahren übernommenen Unternehmen Kofax, Readsoft und Perceptive Software zusammen.

Nach der Transaktion wird Perceptive Software, einschließlich Perceptive Intelligent Capture, Acuo VNA, PACSGEAR und Enterprise Medical Image Viewing, an Hyland Software, Inc. weiter verkauft. Hyland Software ist bereits ein Portfoliounternehmen von Thoma Bravo und wie Perceptive Software  Anbieter von Enterprise Content Management Software. Das Unternehmen wird von Präsident und CEO Bill Priemer geleitet. Kofax und Readsoft werden unter der Marke Kofax ein neues und unabhängiges Thoma-Bravo-Portfoliounternehmen darstellen. Dieses soll Reynolds C. Bish, der derzeitige Präsident von Lexmark Enterprise Software führen.

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Lexmark kaufte viele Firmen und wurde letztlich selbst verkauft

Insgesamt kaufte Lexmark in den vergangenen Jahren rund zwölf Softwareunternehmen, um neben dem stagnierenden Druckergeschäft neue Umsatzpotenziale zu erschließen. Ziel war, ganzheitliche Digitalisierungs-Lösungen für Geschäftsprozesse anzubieten, die Dokumente und unstrukturierte Informationen vom Eintritt ins Unternehmen/Input bis zum Austritt/Output führen. Anscheinend ging der Plan nicht auf, denn es erfolgte keine tiefere Integration der zugekauften Produkte und Lösungen. Geschäftliche Erfolge blieben aus und die Erwartungen der Aktionäre konnten nicht erfüllt werden.

So übernahm Ende letzten Jahres ein chinesisches Investorenkonsortium bestehend aus Apex Technology und PAG Asia Capital den Lexmark-Konzern. Apex Technology gehört zu Seine Technology, die wiederum größter Anteilseigner von Pantum International sind, Chinas größtem Drucker- und Drucklösungshersteller. Dass die Software-Sparte hierzu nicht mehr passte und abgestoßen werden sollte, war in der Folge klar.

Was wird aus der Saperion-Sparte?

Spannend ist aus deutscher Perspektive, wie es mit der Saperion-Sparte weitergehen wird. 2013 kaufte Lexmark den deutschen ECM-Hersteller Saperion für mehr als 50 Millionen Euro. Im vorangegangenen Geschäftsjahr 2011/2012 machte Saperion von Berlin aus einen Umsatz von über 20 Millionen Euro und mehr als vier Millionen Euro Gewinn. Grund für die Übernahme waren der Vertriebskanal und namhafte Kunden wie Siemens, Daimler, Henkel und Lufthansa. Im Zuge der Übernahme änderte die Saperion AG ihren Namen in Perceptive Software Deutschland GmbH. Daher ist davon auszugehen, dass der Bereich laut der Übernahmeankündigung an Hyland Software gehen wird. Definitiv bestätigt wurde dies bislang jedoch noch nicht.

Kurios erscheint im Rückblick auch das aufsehenerregende Bietergefecht zwischen Hyland Software und Lexmark um Readsoft, das beide Unternehmen 2014 übernehmen wollten. Nun stehen die Zeichen so, dass alle Unternehmen mehr oder weniger unter dem gleichen Dach Thoma Bravo eine Heimat finden werden.