KI verstärkt Cyberattacken
Autonome KI-Angriffe sind noch die Ausnahme. Doch künstliche Intelligenz spielt bei Cyberattacken bereits eine immer größere Rolle. Welche Trends das erste Halbjahr geprägt haben, zeigt der aktuelle Forescout-Bericht.
Noch die Ausnahme: Selbständige KI-Angriffe
Inhalt dieses Artikels
Der autonome IT-Angriff eines KI-Modells von OpenAI auf das KI-Unternehmen Hugging Face sorgt für weltweite Schlagzeilen. Das unbeabsichtigte Vorgehen bei einem Testlauf legt dar, wie gefährlich KI-Cyberattacken potenziell sein können. Wie stark die Bedrohung angetrieben durch KI-Entwicklungen schon in der Praxis aussieht, zeigt der neueste »Threat Review Report 2026H1« vom Cybersicherheitsunternehmen Forescout.
Darin wird berichtet, dass rasante Fortschritte im KI-Bereich und das Aufkommen von extrem hoch entwickelten sogenannten »Frontier«-KI-Modellen in Verbindung mit zunehmenden geopolitischen Spannungen die weltweite Bedrohungslage neu gestalten. Forescout Research – Verdere Labs, das Bedrohungsforschungsteam von Forescout, verfolgte mehr als 5.700 Hacktivisten-Angriffsmeldungen über 98 Telegram-Kanäle, die sich vor allem gegen Israel, die USA, die Ukraine, Indonesien und den Iran richteten.
Halbjahresbericht von Forescout
Vedere Labs analysierte mehr als 37.000 neu veröffentlichte Schwachstellen, 1.033 beobachtete Bedrohungsakteure sowie Tausende von Cyberangriffen, die in der ersten Hälfte des Jahres 2026 registriert wurden. Ergänzt wurde die Analyse durch Erkenntnisse aus Drittquellen, um einen umfassenden Überblick über die globale Bedrohungslandschaft zu liefern.
Die Zahl veröffentlichter Schwachstellen stieg im Jahresvergleich um 51 Prozent auf 37.137, die Anzahl der gemeldeten Ransomware-Angriffe erhöhte sich um 25 Prozent auf 4.544 Vorfälle, und weltweit waren in der ersten Jahreshälfte 2026 insgesamt 103 Ransomware-Gruppen aktiv. »KI erhöht die Geschwindigkeit und das Ausmaß von Cyberangriffen dramatisch«, sagt Daniel dos Santos, VP of Research bei Forescout. »Bei der Analyse von Angriffsmustern und Aktivitäten von Bedrohungsakteuren sehen wir, dass KI ihnen dabei hilft, Schwachstellen schneller zu identifizieren und auszunutzen, als Sicherheitsteams diese realistisch beheben können. Gleichzeitig führen geopolitische Konflikte zu Wellen opportunistischer und staatlich unterstützter Cyberaktivitäten, wodurch insbesondere Organisationen in kritischen Infrastrukturen zunehmend gefährdet sind.« Santos zufolge waren im ersten Halbjahr 2026 die Branchen, die von den meisten beobachteten Bedrohungsakteuren ins Visier genommen wurden, Behörden und Verwaltung, Technologie, Finanzdienstleistungen, Bildung und Gesundheitswesen.
Haupttrends bei Bedrohungen
Zu den bedeutendsten Trends des Berichts zählen der wachsende Einfluss KI-gestützter Angriffe, Kompromittierungen von Software-Lieferketten und Angriffe auf kritische Infrastrukturen. Die Forschenden von Vedere Labs beobachteten, wie Bedrohungsakteure KI missbrauchen, um Angriffe und Kampagnen zu beschleunigen. Darüber hinaus richteten Angreifer ihre Aktivitäten weiterhin auf vernetzte Geräte wie speicherprogrammierbare Steuerungen (PLCs), Human-Machine Interfaces (HMIs), automatische Tankmesssysteme (ATGs), medizinische Geräte, Router, Firewalls und andere spezialisierte Systeme, die häufig weniger Sicherheitsüberwachung erhalten als klassische IT-Assets.
Ein weiteres zentrales Ergebnis des Reports ist die Weiterentwicklung des iranischen Cyberbedrohungsökosystems. Die Forschenden beschreiben, wie staatlich unterstützte Akteure, Hacktivistengruppen und cyberkriminelle Organisationen traditionelle Grenzen der Zuschreibung zunehmend verschwimmen lassen. Der Bericht untersucht die Akteure, Fähigkeiten und Infrastrukturen hinter iranischen Cyberoperationen, darunter Spionagekampagnen, Einflussoperationen, Ransomware-Aktivitäten sowie Angriffe auf Operational Technology und kritische Infrastrukturen. Zählt man die Bedrohungsakteure mit Verbindungen zu Iran mit denen von China und Russland zusammen, machten sie gemeinsam 32 Prozent der Akteure mit bedeutenden Aktivitätsupdates im ersten Halbjahr 2026 aus.
Alle vernetzten Geräte sichern
»Da die Angriffsflächen weiter wachsen, können sich Sicherheitsteams nicht mehr ausschließlich auf traditionelle Endgeräte konzentrieren«, erklärt Barry Mainz, CEO von Forescout. »Viele Unternehmen haben noch immer erhebliche blinde Flecken bei nicht verwalteten Assets sowie Geräten in den Bereichen Internet of Things (IoT), Operational Technology (OT) und Internet of Medical Things (IoMT). Bedrohungsakteure kennen diese Schwachstellen und nutzen sie zunehmend aus.«
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit für Unternehmen, ihre Angriffsfläche in komplexen Umgebungen zu reduzieren, indem sie kontinuierlich gefährdete Assets identifizieren, Risiken priorisieren, die Netzwerksegmentierung stärken und ihre Reaktionsfähigkeit beschleunigen, wenn Bedrohungen auftreten.
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