23.03.2017 (as)
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 CeBIT:  ECM-Branche macht laut Bitkom gute Geschäfte

  • Inhalt dieses Artikels
  • Nach Unternehmen könnten Privatleute ECM-Kunden werden
  • Auch Privatpersonen plagen Sicherheitsbedenken

Auf der CeBIT stellte der Branchenverband Bitkom neueste Marktzahlen für den ECM-Bereich vor, die eine gute Stimmung widerspiegeln. Eine Umfrage zur Digitalisierung von Unterlagen in Privathaushalten lässt darauf schließen, dass die ECM-Anbieter ihre Fühler zunehmend auch auf diesen Bereich ausstrecken wollen.

ECM-Bitkom-Vertreter Andreas Nowottka und Jürgen Biffar präsentieren neueste Zahlen zum ECM-Markt auf der CeBIT 2017 (Bild: ECMguide.de)Auf der CeBIT ist zu hören, dass die Stimmung unter den ECM-Anbietern gut ist, was auch die aktuellsten Zahlen des Branchenverbandes Bitkom belegen: 84 Prozent der rund 100 in Deutschland befragten Anbieter von Lösungen rund um Enterprise Content Management rechnen in diesem Jahr mit steigenden Umsätzen. 11 Prozent sagen stabile Erlöse voraus und nur 5 Prozent befürchten einen Umsatzrückgang. Sowohl bei Hardware, Software als auch Services wächst das Marktvolumen im ECM-Bereich. Laut Bitkom beträgt dies 2017 insgesamt 1,919 Milliarden Euro, was ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber 2016 darstellt.

»Von der Landwirtschaft hin zum Handwerk setzen Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen verstärkt darauf, die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse voranzutreiben. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Software und IT-Beratung, die sie bei dieser Umstellung unterstützen«, sagt Jürgen Biffar, Vorstandsvorsitzender des Bitkom-Kompetenzbereichs ECM. Folglich sind auch neue Mitarbeiter gefragt: Acht von zehn ECM-Anbietern (78 Prozent) möchten bis Jahresende zusätzliche Mitarbeiter einstellen – ein Anstieg um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2016: 54 Prozent). 16 Prozent rechnen mit einer gleich bleibenden Beschäftigtenzahl, nur 5 Prozent müssen voraussichtlich Stellen abbauen.

Nach Unternehmen könnten Privatleute ECM-Kunden werden

Abgesehen von Unternehmen aller Art scheinen sich die ECM-Anbieter zunehmend für Privatkunden zu interessieren. »Bislang hat sich die ECM-Branche fast ausschließlich mit Unternehmen beschäftigt, doch langsam könnte auch der Markt für Privatanwender interessant werden«, meint Andreas Nowottka, stellvertretender Vorsitzender des Bitkom-Kompetenzbereichs ECM. Inzwischen erhalten Privatleute viele Rechnungen wie von Strom- und Telekommunikationsanbietern sowieso schon digital. Zudem kann man per Smartphone Dokumente einfach digitalisieren und auch Scanner oder Multifunktionsgeräte sind für Privatanwender erschwinglich. Jedoch ist das Handling der Ablage und der Prozess insgesamt noch nicht komfortabel genug, weshalb ECM-Anbieter hier einen neuen Markt wittern.

Um diesen Bereich besser greifen zu können, präsentierte der Branchenverband Bitkom auf der CeBIT in Hannover Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 1005 Privatpersonen. Sie ergab, dass inzwischen jeder vierte Bundesbürger (28 Prozent) Dokumente digital verwaltet. Davon legen 90 Prozent Dokumente auf der Festplatte des PCs oder Laptops ab. Bereits jeder Zweite nutzt Online-Cloudspeicherdienste wie »Dropbox«, »iCloud« oder »Microsoft OneDrive«. Knapp jeder Dritte (30 Prozent) verwendet externe Datenträger wie USB-Sticks, CDs oder eine externe Festplatte.

Auch Privatpersonen plagen Sicherheitsbedenken

Sieben von zehn Internetnutzern (69 Prozent) bevorzugen weiterhin Dokumente auf Papier, 2013 lag der Anteil noch bei 81 Prozent. Wie im Unternehmenssektor gibt es auch im privaten Bereich Sicherheitsbedenken. 44 Prozent der Befragten bevorzugen Papierdokumente aus Angst, dass Fremde bei der digitalen Übertragung auf die privaten Dokumente zugreifen könnten. Jeder Fünfte  befürchtet, dass Dokumente bei der elektronischen Übertragung verloren gehen. Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) sorgt sich, dass digitale Dokumente nicht dieselbe rechtliche Gültigkeit besitzen wie Papierdokumente. Biffar plädiert deshalb für mehr Aufklärungsarbeit: »Digitale Rechnungen und Verträge besitzen in den allermeisten Fällen denselben Stellenwert wie ein Papierbeleg. Unternehmen, aber auch Verwaltungen, Behörden und Ämter müssen hier noch für mehr Aufklärung sorgen – und einheitlich und konsequent auf elektronische Dokumente umstellen.«

Inwiefern sich der Umstieg für Privatanbieter lohnt, ist offen. Mittlerweile ist klar, dass die Digitalisierung Unternehmen Kosten sparen kann, da Prozesse schneller ablaufen. Im Privathaushalt ist der Nutzen nicht so eklatant. Zumindest spart man sich sieben Ordner, denn so viele hat laut Bitkom jeder Bundesbürger im Schnitt zu Hause stehen, um Rechnungen, Schriftverkehr, Steuerunterlagen und ähnliches aufzubewahren.