11.03.2015 (eh)
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Doc Kampffmeyers Blick aufs Information-Management

  • Inhalt dieses Artikels
  • EIM überwindet bisherige Grenzen isolierter Systeme
  • Enterprise Information Management – oder reicht etwa nur Information-Management
  • Es geht nicht anders: ein Leben mit der NSA
  • Dropbox & Co – gefährlich für ECM-Softwarehäuser?

Kürzlich lud Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer von Project Consult zum »EIM Update 2015« ein. Das jährliche Update des Unternehmensberaters rund um das Information-Management ist inzwischen Tradition in der Branche geworden. Der EIM-Mentor enttäuschte seine Besucher nicht.

Kampffmeyers EIM-Positionierung: eine EIM-Plattform mit acht Plattform-Features (Bild: Project Consult)Kampffmeyers EIM-Positionierung: eine EIM-Plattform mit acht Plattform-Features (Bild: Project Consult)EIM, das steht für »Enterprise Information Management«, und natürlich muss es Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer von Project Consult, im Kontext zu ECM (Enterprise Content Management) positionieren: »ECM ist weiterhin ein wichtiger Kern von EIM. Und ECM hat auch alle wichtigen Technologien integriert. Aber mit EIM wird ECM um Funktionalitäten zur Informationserschließung und -verarbeitung erweitert.«

In seiner Präsentation verweist er natürlich auf den Umstand, dass es von EIM durchaus etwas unterschiedliche Definitionen gibt. Der VOI e.V. hat eine etwas andere Sichtweise als OpenText, und SAP hat sowieso eine eigene. Dr. Kampffmeyers Definition sieht so aus, dass er rund um die EIM-Plattform acht Plattform-Features positioniert: Natural language, Multi-Channel Communication, Universal Access, Identity-Management, Semantics, Knowledge-Management, Security & Safety und Information-Governance.

EIM überwindet bisherige Grenzen isolierter Systeme

Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer, Project ConsultDr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer, Project ConsultDamit verschaffe EIM der IT-Industrie eine neue Qualität. »EIM überwindet die bisherigen Grenzen isolierter Systeme für verschiedene Informationstypen und -formate. Es beherrscht dann alle Arten von Informationen – nachvollziehbar, in hoher Qualität und in einer kontrollierten Umgebung. EIM stellt Informationen für Geschäftsprozesse und als Wissen für das Unternehmen und seine Mitarbeiter bereit«, philosophiert Dr. Kampffmeyer. »EIM kann so zum Dreh- und Angelpunkt, der universelle Lieferant, der intelligente Gutachter, der Sicherheitsmanager und der vertrauenswürdige Kontrolleur aller Informationen im Unternehmen werden.«

Übrigens: Wenn man schon Verfechter eine bestimmten Philosophie ist – wie Dr. Kampffmeyer bei EIM –, dann gehört es sich auch, die eigenen Standpunkte durchaus auch mal kritisch zu hinterfragen. Und – siehe da, der Unternehmensberater stellt die Frage: »Brauchen wir überhaupt noch das Wort ‚Enterprise’ in der Bezeichnung?«

Enterprise Information Management – oder reicht etwa nur Information-Management

Denn Globalisierung, Web und Social-Business würden die einstigen Grenzen der Unternehmen ohnehin ausweiten und ausdehnen. Kunden, Partner, Anbieter, Presse, Behörden und Öffentlichkeit seien neuerdings bereits Teil der »Business Frameworks«. Fazit laut Dr. Kampffmeyer: »Das ‚e’ für ‚Enterprise’ (im Sinne von im Unternehmen, für das Unternehmen, unternehmensweit) muss und wird zukünftig entfallen. ‚Information-Management’ reicht.« – Nun ja, da werden nicht alle seine Follower mit übereinstimmen.

Es geht nicht anders: ein Leben mit der NSA

Auch das Thema Datenspionage und der US-Geheimdienst NSA liebt Dr. Kampffmeyer in diesem Zusammenhang: »Wir verpassen gerade eine Chance nach dem NSA-Skandal, uns für Information-Governance zu positionieren, und Datenschutz endlich mal so richtig ernst zu nehmen.« Er plädiert dafür, einzusehen, dass wir mit der NSA leben müssen: »Cisco-Netzwerke können Sie nicht abschirmen. Die sind bekannterweise per se mit Angriffsmöglichkeiten versehen.« Aber: »Wir können Kryptografie verwenden, denn das macht das Leben des Angreifers deutlich schwerer.« Letztendlich habe die Diskussion um die EU-Datenschutzverordnung sogar profitiert von der NSA.

Dropbox & Co – gefährlich für ECM-Softwarehäuser?

In die ECM-Welt – und letztendlich auch in die entstehende EIM-Welt – drängen gerade die File- und Sync-Wolkengebilde wie Dropbox, Evernote, oneDrive, Box und Google Drive ein. »Da kommt etwas mit ganz einfachen ECM-Funktionalitäten von unten, das die ECM-Anbieter nie betrachtet haben«, moniert Dr. Kampffmeyer.

Diese Unternehmen bzw. Lösungen würden in kleinen Schritten immer mehr mit ECM-Funktionalität angereichert, die für kleinere Unternehmen durchaus ausreichen könnten. Nach Meinung von Dr. Kampffmeyer »eine gefährliche Entwicklung für die etablierten ECM-Softwarehäuser«, die noch nicht richtig darauf reagiert hätten.

Insgesamt wurden an dem informativen Nachmittag vier Themenkomplexe rund ums Information-Management behandelt. Neben dem EIM-State-of-the-Art ging es noch um den disruptiven SMAC-Stack, Standards und aktuelle Rechtsfragen sowie die Trendaussagen aus Sicht von Project Consult für das Jahr 2015. Eine davon: »EIM muss wirklich ‚Cloud-gerecht’ werden und nicht alte Architekturen in die Cloud-Welt übertragen wollen.« Allerdings, so räumte der EIM-Mentor ein, ist »‚Cloud First’ bei den meisten Anbietern in 2015 noch kein großes Thema«. Aber der Trend zu »Cloud First« sei vorgezeichnet.

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Kommentare (1)
26.05.2015 - UKampffmeyer

Vielen Dank für den Bericht zu unserem Update in München! Inzwischen haben wir auch die Auswertung der Teilnehmerstimmen und die Dokumentation mit den Folien der Veranstaltung online gestellt: bit.ly/eim2015doku