»Vieles ist halluzinierter Müll«

Mit nur 24 Jahren führt Jonas Paul Klatt ein Unternehmen, das Kunden hilft, korrekt von der KI wahrgenommen zu werden. Im Interview spricht der KI-Experte über die Fehler der KI und wie man auf Nutzer-Seite und als Webseitenbetreiber damit umgeht.    

Jonas Paul Klatt, Gründer und Geschäftsführer von OnRep Consulting GmbH (Bild: OnRep Consulting)

Jonas Paul Klatt, Gründer und Geschäftsführer von OnRep Consulting GmbH (Bild: OnRep Consulting)

Jonas Paul Klatt, Gründer und Geschäftsführer von OnRep Consulting GmbH (Bild: OnRep Consulting)

Wie hoch ist der Anteil des weltweiten Web-Traffics, den Bots, KI-Systeme und automatisierte Agenten verursachen?

Klatt: Mittlerweile wird die Mehrheit des Web-Traffics von Bots und KI-generierten Inhalten dominiert, was erhebliche Risiken für die Qualität und Verlässlichkeit von Online-Informationen birgt. Mehr als 51 Prozent des Web-Traffics stammen laut verschiedenen Umfrageergebnissen wie von Imperva von Bots. 37 Prozent davon werden als schädlich eingestuft.

Welche Auswirkungen hat das?

Klatt: KI-Inhalte überschwemmen zunehmend das Internet, was die Unterscheidung von echten und KI-generierten Inhalten erschwert. Diese Entwicklung führt zu einer Flut von sogenanntem »KI Slop« – also minderwertigen, fehlerhaften KI-Inhalten. Die KI-Systeme selbst können nicht mehr zuverlässig zwischen echten und KI-Inhalten unterscheiden, was zu 35 bis 50 Prozent falschen Antworten führt. Insbesondere im Business-Kontext entstehen dadurch Risiken, weil Entscheidungen auf unzuverlässigen Informationen basieren. Letztlich ist das gesamte Internet so in der Form, wie es aktuell ist, nicht mehr brauchbar. Vieles ist halluzinierter Müll, der nicht fundiert ist und eigentlich keinen Sinn macht.

Wie sollten Unternehmen darauf reagieren, dass sie durch generative KI-Systeme immer weniger und falsch wahrgenommen werden?

Klatt: Sie müssen sich im Grunde genommen eine sehr starke Online-Reputation aufbauen, damit die KI sie richtig einordnen kann. Die KI kommt ja nicht von alleine auf die Idee, auf eine bestimmte Webseite zu gehen und da etwas auszulesen. Unternehmen müssen vielfältige Kanäle und die  Reichweite von anderen Plattformen, wie von YouTube oder von LinkedIn nutzen, um in KI-generierten Antworten sichtbar zu bleiben.

Welche Maßnahmen empfehlen Sie den Unternehmen konkret?

Klatt: YouTube-Videos und Blogbeiträge zu häufig gestellten Fragen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, von KI genutzt zu werden. Das Einholen von schriftlichen Erfahrungsberichten und Kundenbewertungen verbessert die Glaubwürdigkeit und hilft KI, Empfehlungen auszusprechen. Kunden-Testimonials in Videoform erhöhen den Einfluss zusätzlich. Der effektivste Weg, um von KI als vertrauenswürdige Quelle wahrgenommen zu werden, ist klassische PR-Arbeit, da KI externe seriöse Berichterstattung priorisiert.

Lässt sich auch durch technische Maßnahmen die Berücksichtigung durch KI-Systeme verbessern?

Klatt: Die Integration spezieller Webformate und strukturierter Daten ist sinnvoll, aber nur ein Teil der Sichtbarkeitsstrategie, da externe Inhalte dominieren. Insofern sind Schema-Markups auf Webseiten nützlich – insbesondere für FAQs, Personen und Leistungsbeschreibungen – um KI das schnelle und korrekte Einordnen der Inhalte zu ermöglichen. Sogenannte GEO-Optimierungen (Generative Engine Optimization) sind die Weiterentwicklung von SEO (Search Engine Optimization) für KI und grundsätzlich empfehlenswert. Jedoch fokussieren sich GEO-Maßnahmen nur auf die eigene Webseite, aber Inhalte außerhalb der Webseite sind etwa fünf- bis sechsmal wichtiger für die KI als die eigenen Seiteninhalte.

„Sie müssen sich im Grunde genommen eine sehr starke Online-Reputation aufbauen, damit die KI sie richtig einordnen kann.“

Müssten dann nicht eigentlich traditionelle Medien von der momentanen KI-Entwicklung profitieren und in ihrer Nutzung zulegen? In der Realität ist aber das Gegenteil der Fall.

Klatt: Ja, viele Publisher haben aktuell massive Traffic-Einbußen mit viel weniger Klicks auf den Webseiten und auch hohe Abo-Rückgänge, weil eben die KI Antworten das vorwegnehmen, was man normalerweise früher auf einer Webseite gelesen hat.

Manche Medienhäuser spielen sogar mit dem Gedanken, sich von KI-Systemen abzukapseln, um die Ausbeutung durch KI-Systeme zu verhindern und den Nutzerinnen und Nutzern exklusiven Content bereitzustellen. Wie sinnvoll ist das?

Klatt: Ich warne vor dem Versuch, sich von KI-Systemen abzukapseln, da dadurch nur die eigene bestehende Leserschaft bleibt und die Reichweite stark sinkt. Was wahrscheinlich langfristig mehr Sinn macht: Medienhäuser verhandeln aktuell mit Plattformbetreibern wie Google wegen Traffic-Einbußen und festen Platzierungen in KI-Antworten.

Wie kann die Medienbranche generell reagieren, um ihr Überleben zu sichern?

Klatt: Der Journalismus und die Medienbranche stehen vor großen Herausforderungen durch KI-generierte Inhalte, die Vertrauen und Nutzerverhalten verändern. Klassischer Journalismus büßt aktuell an Wert ein, weil Nutzerinnen und Nutzer nicht mehr zwischen echten und gefälschten Inhalten unterscheiden können. Die Verbreitung von KI-generierten Clickbait-Videos und Falschinformationen auf Plattformen wie YouTube nimmt massiv zu. Nutzer klicken diese Inhalte oft tausendfach an, obwohl sie keinen Wahrheitsgehalt haben. Langfristig wird es aber eine Gegenbewegung hin zu echten, verifizierten Inhalten geben.

Wie gehen Sie persönlich bei Online-Recherchen vor, um auf Nummer Sicher zu gehen?

Klatt: Hauptsätzlich setze ich auf klassische Medien und seriöse Internetadressen, die ich schon lange kenne. Bei bestimmten Recherchen frage ich auch die KI, aber schaue mir dabei immer die Quellen an. Dann lese ich mir die Inhalte wirklich durch, um abzuschätzen, ob ich diesen Glauben schenken kann.

Wie hilft Ihr Unternehmen OnRep Consulting Kunden, um KI-fähigen Content bereitzustellen?

Klatt: Bei OnRep Consulting gibt es zwei Bereiche: spezialisierte Beratungsleistungen und eine Softwarelösung, um Unternehmen eine bessere Sichtbarkeit in KI-Systemen zu verschaffen. Der Hauptfokus liegt auf Unternehmen mit erklärungsbedürftigen Angeboten im deutschsprachigen Raum. Die Beratungsleistungen umfassen Online-Reputationsaufbau, PR-Arbeit, GEO-Optimierungen und Content-Erstellung. Ziel ist es, Kunden in KI-Modellen für ihre speziellen Dienstleistungen sichtbarer zu machen.

Und was leistet Ihre Software, die Sie seit März 2026 anbieten?

Klatt: Die Software automatisiert die Content-Erstellung und das KI-Sichtbarkeitsmanagement. Sie hilft bei der Erstellung von Blogartikeln, Social Media Posts und zur Reichweitensteigerung. Außerdem beinhaltet sie eine Akademie mit Lernvideos und ist ab 200 Euro pro Monat auch für kleine Firmen erschwinglich.

About the Author: Annette Stadler

Annette Stadler ist IT-Journalistin und leitet das Online-Portal ECMGUIDE.