IT-Fachkräftemangel nimmt ab
Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage ist die Zahl der offenen IT-Stellen von 149.000 im Jahr 2023 auf 79.000 in diesem Jahr gesunken. Dennoch bleibt der IT-Arbeitsmarkt angespannt. Überraschend gering fällt bislang der Einfluss von KI auf die IT-Abteilungen aus.
Weniger IT-Projekte in Deutschland
Innerhalb der letzten drei Jahre hat sich in Deutschland die Zahl der unbesetzten IT-Stellen laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom auf 79.000 halbiert. Für Dr. Ralf Wintergerst, Präsident des Bitkom, ist dieser drastische Einbruch ein »Paukenschlag«, wie er bei der Vorstellung der Zahlen sagte. Was einem zunächst als Grund für den starken Rückgang in den Sinn kommen dürfte, ist die Künstliche Intelligenz.
Wenn überhaupt ist KI aber nur zu einem geringen Teil dafür verantwortlich. Vielmehr sei der Rückgang nach Wintergersts Ansicht zum einen auf die schwächelnde deutsche Wirtschaft zurückzuführen, weswegen Unternehmen IT-Projekte aufschieben. Zum anderen liege es an der Auslagerung von großen IT-Infrastrukturprojekten in andere Länder wie Indien.
Verschiebungen auf IT-Arbeitsmarkt durch KI
Laut der Bitkom-Befragung haben von den Unternehmen, die KI in ihrer IT bereits einsetzen, dadurch nur 10 Prozent vereinzelt IT-Stellen abgebaut. Einen vermehrten Stellenabbau gab es bei keinem der befragten Unternehmen. 85 Prozent haben bislang keine IT-Stellen durch KI abgebaut. Mit Blick auf die Zukunft erwarten zwar 32 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen einen Stellenabbau durch KI. 11 Prozent gehen auf jeden Fall davon aus, dass sie IT-Stellen abbauen werden, weitere 21 Prozent eher schon. 65 Prozent erwarten jedoch keinen Stellenabbau, darunter 24 Prozent eher nicht und 41 Prozent auf keinen Fall. »KI ist eine disruptive Technologie. Sie wird Berufsbilder und Tätigkeiten verändern – und auch Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt erzeugen«, erklärt Wintergerst. »KI übernimmt zwar einzelne Aufgaben, gleichzeitig entstehen neue Anforderungen und Tätigkeitsfelder. Ein Abbau an der einen Stelle kann deshalb mit zusätzlichem Bedarf an anderer Stelle einhergehen.«
KI könnte die Nachfrage nach KI-Spezialisten zumindest vorübergehend erhöhen. So erwartet die Hälfte der Unternehmen mit IT-Stellen (49 Prozent), dass der Einsatz von KI in der IT zu einer verstärkten Nachfrage nach IT-Fachkräften mit KI-Wissen führen wird. 19 Prozent gehen davon auf jeden Fall aus, weitere 30 Prozent eher. 48 Prozent erwarten hingegen keinen zusätzlichen Bedarf, davon 17 Prozent auf keinen Fall und 31 Prozent eher nicht. »Auch wenn die Nachfrage nach KI-Experten derzeit noch zurückhaltend ist, erwartet die Hälfte der Unternehmen einen zusätzlichen Bedarf. Je stärker KI in den IT-Teams Einzug hält, desto wichtiger werden Spezialistinnen und Spezialisten, die damit umgehen können«, so Wintergerst.
Weiterhin IT-Fachkräftemangel
Insgesamt beobachten derzeit 78 Prozent der Unternehmen einen Mangel an IT-Fachkräften. Lediglich 14 Prozent bewerten das Angebot als ausreichend, 5 Prozent sehen ein Überangebot. Mit Blick auf die kommenden Jahre erwarten 76 Prozent, dass sich der IT-Fachkräftemangel weiter verschärfen wird. 15 Prozent rechnen mit einem gleichbleibenden Mangel, 8 Prozent mit einer Abnahme.
42 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen setzen KI bereits in ihrer IT-Abteilung oder bei der Arbeit ihrer IT-Fachkräfte ein. Weitere 36 Prozent planen den Einsatz, 13 Prozent diskutieren ihn. Für nur 7 Prozent ist KI in der IT derzeit kein Thema. Wo KI bereits eingesetzt wird, geschieht das bislang meist noch nicht systematisch. 43 Prozent nutzen die Technologie nur vereinzelt, 46 Prozent in einigen Bereichen und 7 Prozent in fast allen Bereichen. Ein flächendeckender Einsatz findet bislang noch nicht statt.
»KI kann in der IT zu einem echten Produktivitätstreiber werden«, so Wintergerst. »Sie kann Routineaufgaben übernehmen, Prozesse beschleunigen und IT-Fachkräfte entlasten, so dass mehr Zeit für komplexe und strategische Aufgaben bleibt.«
KI füllt Lücken bei fehlendem IT-Personal
KI kommt unter anderem dort zum Einsatz, wo sich Stellen aktuell nicht besetzen lassen. In mehr als einem Drittel (35 Prozent) der Unternehmen, die bereits Stellen abgebaut haben oder damit rechnen, ersetzt KI freie IT-Stellen, für die sie niemanden mehr finden können oder wollen. In Einzelfällen könnten auch IT-Jobs von einem Stellenabbau betroffen sein. 47 Prozent der Unternehmen, die entsprechend verfahren, bauen Stellen erfahrener IT-Fachkräfte ab. In 30 Prozent der Unternehmen sind Führungskräfte im IT-Bereich betroffen und in 25 Prozent Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger.
Auch die Aufgabenprofile dürften sich verändern. 61 Prozent erwarten, dass Routineaufgaben und 55 Prozent, dass klassische Einstiegsaufgaben zunehmend wegfallen werden. 38 Prozent rechnen damit, dass KI einzelne IT-Berufe und Berufsbilder weitestgehend ersetzt. Gleichzeitig verbinden Unternehmen mit dem KI-Einsatz auch Chancen. 31 Prozent erwarten eine steigende Produktivität, 30 Prozent eine höhere Qualität der Arbeitsergebnisse. Neben technischen Kenntnissen könnten zudem andere Fähigkeiten an Bedeutung gewinnen. 29 Prozent gehen davon aus, dass Soft Skills für IT-Fachkräfte künftig wichtiger sein werden als fachliche Kompetenzen.
IT-Einsatzfelder für KI
Wenn es um die konkreten Aufgaben geht, bei denen KI in der IT eingesetzt wird oder ihr Einsatz geprüft wird, stehen das Wissensmanagement und die interne Informationssuche an erster Stelle. 21 Prozent setzen hier bereits KI ein. Von den Unternehmen, die KI noch nicht in der IT einsetzen, überlegen dies 37 Prozent. Auch bei der IT-Sicherheit sind KI-Anwendungen für Unternehmen relevant. Aktuell nutzen zwar nur 3 Prozent der Unternehmen die Technologie, 36 Prozent erwägen jedoch den Einsatz. Für die Automatisierung von Routineaufgaben in der Datenanalyse und Auswertung nutzen 9 Prozent KI, 27 Prozent überlegen einen Einsatz. Bei Softwaretests und Fehleranalysen setzen ebenfalls 9 Prozent KI ein und bei 16 Prozent gibt es Überlegungen für einen KI-Einsatz in diesem Bereich. In der Softwareentwicklung setzen nur 6 Prozent der Befragten KI ein, in Zukunft planen es 10 Prozent.
Zahlen lassen Interpretationsspielraum
Dieser eher niedrige Wert überrascht Wintergerst. Doch das sei nicht die einzige Auffälligkeit, wie der Bitkom-Präsident einräumt. So widerspreche es sich beispielsweise, dass viele klassische Einstiegsaufgaben im IT-Bereich (55 Prozent) aufgrund von KI-Unterstützung wegfallen sollen, beim IT-Stellenabbau aber zu 47 Prozent erfahrene IT-Fachkräfte betroffen sind beziehungsweise betroffen sein könnten. Allerdings könne dies auch mit dem hohen Einsparpotenzial dieser Tätigkeiten zusammenhängen.
Generell fehlt es den Unternehmen noch an umfangreicher KI-Erfahrung. Entsprechend sind die aktuellen Einschätzungen mit Vorsicht zu betrachten: Sie zeigen zwar, wo KI heute bereits eingesetzt wird und wo Unternehmen Einsatzmöglichkeiten sehen – wie sich die Arbeitswelt in der IT tatsächlich verändern wird, lässt sich daraus noch nicht eindeutig ableiten.
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